Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die große Versammlung (Kneset ha-gedola), ihre Geschichtlichkeit, Zahl, Bedeutung, Zeit und Leistung
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
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64 Wissenschaftliche Aufsätze. Volksstimmung in der vorsimonischen Zeit;reffectht, athmet begeisterte Anhänglichkeit an die Thora^). Wer hat die Begeisterung geweckt und gefördert/ wenn nicht eine Versammlung, ähnlich der von Nehemia zusammengerusenen? Ist von diesem Gesichtspunkte, aus die Fortdauer der großen Versammlung ein geschichtliches Postulat, sowird sie durch unzweideutige Zeugnisse unwiderleglich bestätigt. Der mahnende Spruch, der von der ecclesia magna tradirt wird: Gelassenheit beim Rechtssprechen, zu beachten, Jünger auszustellen und Umzäunungen. um das Gesetz zu machen, reflectirt augenscheinlich das innere Treiben der sopherischen Zeit, und die Authenticitäi desselben ist nicht in Abrede zu stellen. Die Tradition kennt auch noch die Fortsetzer der großen Versammlung שיירי כגסת הגדרלד־ס), J>ie bis Simon den Gerechten (um 300). wirksam waren. Gewisse Anordnungen werden ausdrücklich aus die große Versammlung zurnckgesührt, und bei näherer Betrachtung können sie nur in dieser Zeit eingesührt worden sein. ' Diese Anordnungen bilden vier Rubriken: 1) Sammlung kanonischer Schriften; 2) Abfassung des Buches Esther; 3) Einführung der Formeln, für Gebete und Eulogien und 4) Gründung von Lehrhäusern. ' 1) Die Kanonsamml ung. Es ist bekannt, daß eine Boraitha (Baba Batra 15) die Ausnahme der 12 kleinen Propheten, Daniels und Jecheskels in den Kanon der großen Versammlung zuschreibt (das Wort כתפר ifi hier im uneigentlichen Sinne als Sammeln gebraucht). Abot di R. Nathan (c. 1) will sogar wissen, daß Salomons Schriften: Sprüche, hohes Lied und Kohelet, durch die Bemühung der großen Versammlung dem Kanon einverleibt worden seien. Wenn diese Angabe auch unrichtig ist, indem die Kanonicität dieser Schriften ein Differenz- Punkt der schammaitischen und hillelischen und noch späterer Tanaim war, so beweist diese Nachricht so viel, daß mau gewohnt war, die Kauonsammlnng mit cher großer! Versammlung in Verbindung zu bringen׳^). Das zweite Maceabäerbuch hat etwas Aehnliches; es hat etwas lauten gehört, weiß aber nicht recht was. Es berichtet, Nehemia habe 2) Vergl. Sirach 2, 16; 7, 29; 9, 15; 10, 19; 15, 1, 15; 19, 17; 21, 11; 23, 23, 27 und namentlich c. ,24 das Lob der, der Thora entströmenden Weisheit. 3) Auch Jecheskel's Aufnahme wird aus diesem Grunde dergroßen Versammlung beigelegt, weil man es später apocryph machen wollte (Sabbat 16a), und es sollte damit dessen unstreitige Kanonicität ausgesprochen werden. Raschi's Erklärung wird schon von Tosaphot widerlegt. .