Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Simon der Gerechte und seine Zeit
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 10)
- Language
- German
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54 Simon, der Gerechte '׳•:׳ Wenn Simon auf diese Weise für die materiellen Interessen seines Völker sorgte, die wichtige Hauptstadt und das Heiligthum in Vertheidigungszustand zu versetzen, so war er nicht minder von dem Gedanken des Judenthums! durchdrungen, daß Israels- Stärke nicht ans solchen Mitteln -beruhe.״ ׳Auf drei Dingen besteht Israels Heil", so lehrt der von ihm erhaltene Kernspruch, ״auf Beobachtung der Lehre (Thora)- auf Versöhnung mit Gott vermöge der Gnadenmittel, die der Tempelcultus reicht (Abodah), und auf Liebesthätigkeit (Gemilat Chafsadim)". Seine Frömmigfett war geläutert, fern von asketischer Uebertreibung. Zu feiner Zeit, die voller Kriegsunruhen war und manche Uebel im Gefolge hatte, suchten, wie zur Zeit der Propheten, die Strengfrommeu sich von menschlicher Gesellschaft zurückzuziehen und dem Nasiräergelübde zu weihen — der erste Ansatz zu der Seele der Assidäer. Simon liebte diese-Art Askese nicht und Protestirte dagegen dadurch, daß er nie die den Priestern gebührenden Stücke von Nasiräeropfern genießen mochte. Nur ein einziges Mal machte er eine Ausnahme zu Gunsten eines schönen Hirten, der sich, ihm als Nasiräer vorstellte. ״Warum willst du", fragte der Hohe- Priester den Jüngling mit reizendem Lockenkopse, -,warum, willst du deinen Haarschmuck zerstören?" Darauf der Hirt: ״Weil mich mein lockiges Haar beinahe zur Sünde der Eitelkeit verleitet hätte. Ich erblickte mich einst in einem -klaren Wasserspiegel, und wie mir mein Bild entgegentrat, erfaßte mich der Gedanke der Selbst- Vergötterung; darum weihte ich mein Haar dem Herrn durch ein Nasiräergelübde." Bei diesen Worten küßte Simon denUjungen Hirten mit sittenreiuer Einfalt und sprach zu ihm: ״O wenn es doch viele Nasiräer deines Gleichen in Israel gäbe!"A) Das religiöse Leben hatte damals die ganze Nation durchdrungen, wie es Esra angebahnt und Nehemia im Verein mit der großen Versammlung gekcästigt hatte. Während unter Nehemia das Volk im Allgemeinen die Sabbatruhe wenig beobachtete und sogar Feldarbeit zum Theil verrichtete, tn Jerusalem sogar am Sabbat Wochenmarkt gehalten wurde, so hatte sich die Sache in Simoü's Zeit schon ganz geändert. Agatharchides, ein 4) Naflr 3d. Jemschalmt Nasir 1 Ende. Aus der letzten Stelle geht die Identität von Nasiräern und Assidäern hervor: >11׳» vn חפידים זזראשזנים י י-׳■ ׳■■• •בגזיר