Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 468 (sequence 6)
- Language
- German
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Briefe aus Wien. Wir sangen heute Ivim Dache .הו das Haus z» bauen. Allerdings sonderbar genug in einer Zeit, in der »,an ft׳ sebr fühlt wie der Glaube Not!׳ tbut, wo der Staat so viele Anstrengungen macht, um den Glauben rn befestigen: und doch geschiebt nichts bei uns, was denselben fördern tönnke. ״Worte, Worte, nichts als Worte/' Schöne Reden »nd sonst nichts mehr. Da eS uns aber doch nicht znstebt, und wir ancb eine solche Befugniß in, Name» des Zudentbnmö zurückweisen wurden, in die Hauser ,׳inzudringen und Anordnungen zu treffen, inüssen wir die Dinge auf sich bernben lassen. Ferner ist unsere innerste Ueberzengung, das! der beste Neligionsunterricht darin bestebt, wenn man den Kindern die Kenntniß und das Verständnlst der Bibel, so weit dieses möglich ist, beibringt, und zwar bei den Knaben in bebräiscber Spracbe. Alle NeligionSl'ücher sind einmal aus der Bibel geschöpft, man holt daber den Labetrunk aus dem Quell des Lebens. Wir betonen aueb das Hebräische, weil diele Spruche ei» Lebensmoment des Zntentl'iimS ist, weil sie das (׳rkennungSzeieben aller Juden auf dem Grdenrunke ist. Wir befürworteii sie aber noch ans einem ander» Grunde, (es bat die Grsabrung gelebrt, daß bei Gnoaebsenen die einzelne» Reste des Hebräische», die ibne» als Zngeudreminiseonzen geblieben sind, bis in später Zeit gewissermaßen eine magische Kran ausiiben, wäl׳re»d das Nebrige sieb verstuebtigt und d׳e ursprüngliche Quelle, aus der die Lebren geschöpft wurden, vergessen wird. Dieses ist unsere »»maßgebliche Ansicht. Ta dieses aber zumeist blos een ״srommer Wunsch" «st, so muß ich mich auf den Boden der Tbatsaeben stellen. Unsere Häuser und nicht religiös, und es wird wenig bebräisch gelebrt. z>im Tbeile wohl weil man in der nur beschränkten Zeit nicht mebr leisten kann. Da das Kind aber doch wissen soll, ״wo Un׳tt wobnt", muß tili Surrogat ausbelfen. Zeter strebsamt Lebrer wird daher bemüht sein, dieses Surrogat so gut als möglich zuzubereiten. Ich sebe nun nichts Sträfliches darin, ich kau» es vielmehr nur loben, wenn Zeder seine Kraft versucht. GS entsteht minbestens der Vortbeil dabei, daß jeder Lehrer sich bestrebt, die Kinder nach seiner Fa׳.׳on (!) selig zu machen, und desto eitriger dafür sorgt den Kindern den Gegenstand an und in das Herz zu legen. War es denn etwa in alter Zeit anders? Damals galt der Spruch אין ביח המדרש בלא חרוש sdas Lebrhaus bringt stets Neues). Soll dies heute anders sein, in einer Zeit, die so schreibselig ist?