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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 12 · p. Seite 467

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 12
Article
Briefe aus Wien
Date
1856-01-01
Page
Seite 467 (sequence 5)
Language
German
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467 Briefe aus Wien. 'sd> verliere fein Wort über dieses Buck. 6s ist Ibnen, Herr Nedaclcur, aus 6rfabrung bekannt, welkes llnl'eil in! hü'leite dieses Buckes war. Ich wende mich der ander)! 3׳eite dieses erwähnten Erlasses zu. Das Ministerium stellt darin den Grundsatz aus. daß es jeden! ^ebrer gestattet sei 1uu1! seinem eigenen oder einen! fremden gedruckte» Lehrbucke zu tradireu, und beln'ilt sieb dabei die hwnebmigllng vor. ' 6s ist das ein unendlicher Fortschritt, der boffentlieb gute fruchte tragen wird. Allerdings wäre!nan berechtigt zu fragen, ist diese Bevormundung auf religiöse!» Gebiete von Nutzen oder von Heil? 6׳s liegt dieses hiev aber in de!» 3׳vsteine. Die Behörden!vollen ebensowenig ans l'udischeln wie auf christlichen) (Gebiete den! Rationalismus Raum gönnen. Man bat sogar da und dort die Ansicht, als waren die Juden, d!e sieb der Reform zuneigen, weniger loyal. 6ben so entschieden treten auch die Behörden den h'basstdi'schen Uebersebwenglichkelten entgegen, obschon man die h'bassidim heute allo'dings nicht mehr für eine politische Parte! ba'lt die daraus binarbeitet, das inttfvi'c Reich berznstellen und in dieser Niebtnng geheime <^esel!scl!asten in!t. Wir tonnen jedoch nickt das Sausten! vertbeidigen. Das Iudentbnm laßt fick nicht von Außcir bevornlunden,!renn man auch den besten' Willen dazu bat: andrerseits aber batte in! I'ildentbum das--freie.Wort und die freie Forschung zu allen Zeiten volle!Geltung. 6׳s war dieses das ^ebenselenient des Iudentbu!!!s, wodurch es vor Stagnation geschützt wurde. Selbst in der! Zeitn!, die wir beute gerade nicht als die rnbn!- reichen-betrachten, bat kein Stillstand stattgesnnden: ein Fenn ent war immer verbanden. Wir tonnen es datier keinesfalls in! Interesse ms IudentbumS rübmend anerkennen, wenn man gewisserinasten die!Gegenrede verbietet. Wir )'eben aber auch wobt ein, daß die Jugend nickt!!litten unter die streitenden Parteien gestellt werden soll. 6 s ist dabei aber noch ein anderer Punkt zu erörtern. Seitde!!! die Reiiglouswissenschast!nehv Scknlgegenstand und!vissensel'asrucker Gegenstand als bansliche Angelegenbeit geworden ist: seitdem ferner der bebnüsche Unterricht immer mehr abnimmt und durch deutschen Religionsunterricht ersetzt wird!!!!ehren sieb die Neligionsbncher und Schriften in sehr bedeutender Weise. Wir börten und lasen darüber Manches, welches die arme» vebrer [ammt und sonders verdammt. Wir sind nickt der Ansicht. Wir müssen nun vorauSschicken, was bereits aus unseren fvuhcvcii Korrespondenzen bereits hervorgebt. Wir ׳.halten es für sehr verfehlt, daß man der Schule allein die Sorge für die Religion überlaßt. D!e Religion ist vor allen! Sache des Herzens, dann erst eine Wissenschaft.

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