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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 9 · p. Seite 341

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 9
Article
Briefe aus Wien
Date
1856-01-01
Page
Seite 341 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Briefe aus Wien. 341 Einundzwanzig Kanonenschüsse haben Samstag, den 12. Juli, dem weiten Reiche die glückliche Niederkunft der Kaiserin mit einer Prinzessin verkündigt. In allen Kirchen und Gotteshäusern wurde dem Herrn der Hccrschaaren gedankt für die Gnade, die er der hohen Iran bat angedeihen lassen, »nd Gebete ans innigstem Herzen wurden zu ihm gesandt, daß in dem ueugebornen Kinde ein neuer Stern des Heiles für das erlauchte Kaiserbaus aufgehen möge. Es waren die Jude» nicht die letzten in ihrem regen Gefühle für das Kaiserhaus. Zwei Tage darauf erschien eine sehr ausgedehnte Amnestie. Der Kaiser bat für die Gnade, die Gott ihm erwiesen hat, selber das Werk der Gnade geübt und Vielen die eisernen Pforten geöffnet, die sich gegen ihn oder gegen den Staat versündigt haben. Gewiß, es gibt kein menschliches Herz, das irgendwie menschlich fühlt, das nicht aufjubelt bei dem Gedanken, daß Hunderten die Fesseln abgenommcn worden. Noch mcbr! der Kaiser bat manchen politischen Verbrechern, deren Güter consiöcirt waren, dieselben wieder zurückerstatten lassen, und sie befinden sich wieder im Vollgenusse ibrer Reckte. In all diesen Jubel mischt sick ein bitterer Wermuthstropfen für uns Juden. Wann wird für uns, die wir nichts verbrochen haben, der Tag der Gnade erscheinen, um uns das Recht zu gönnen und zu gewahren, das uns gebührt! Es wird mir dieser Notbruf abgepreßt durch eine Verordnung der ungarischen Stattbalterei, nach welcher die Acmter daraus hingewiesen sind, die Inden, die seit der Octobcrvcrordnung vom Iabre 1853 Grundbesitz in Ungarn erworben balun, zu dcposscssioniren. Wir gönnen ans vollem Herzen denjenigen, deren Güter confiscirt wurden, daß sie wieder in den Besitz derselben gelangen. Während aber selbst dem Verbrecher die Gnade in vollem Maße zuströmt, was haben die Juden versündigt, daß man ihnen das 8techt und zwar das Menschenrecht und das einmal verbriefte Recht und Gesetz entzieht? — Nebenher sei bemerkt, die meisten, ja der weit überwiegend größere Theil der Beguadigten gehört zu denjenigen, die sich bei der ungarischen Empörung bethciligt haben. Sic werden sich erinnern können, wie man zu jener Zeit das Geschrei erhob, cs waren die Juden mit Haut und Haaren sämmtlich Revolutionäre. Ich habe mir die Mühe nicht verdrießen lassen und Nachforschungen angestellt, zu welchem Glaubensbekenntnisse sich die Begnadigten bekennen, und fand nur einen Juden darunter. Ich glaube, cs läßt sich kaum besser mit Zahlen Nachweisen, daß die Dinge anders stehen, als man sie von mancher Seite darstellen will, und daß überhaupt die Juden sich nicht in dem Maße gegen Thron

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