Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 340 (sequence 5)
- Language
- German
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340 Briese aus Wien. befindet, welches aber nicht schuldenfrei ist, und das zweite Haus in der Leopoldstadt, das eben jetzt gebaut wird; davon gehört der Gemeinde nicht Ein Stein. Allerdings stellen Nationalöconoinen den Grundsatz auf, cs könne ein Staat reich und mächtig sein, trotzdem er sehr viele Schulde» hat. Sie weisen dabei aus Frankreich, England und andere Staaten hi». Oesterreich selber hat i» den letzten Iabren seine Nationalschulden beinahe verdoppelt, und nichts desto weniger steht eS heute größer da als zuvor. Kann dieser Grundsatz aber auch von einer Gemeinde gellend — Die Ausgaben der Gemeinde werden aber in den nächsten Jahren durch den zweiten Tempel und die Beamten desselben sehr bedeutend werden. Dazu kommen nun die Ausgaben für die Schulen. Allerdings dürste die Gemeinde daraus rechnen, daß der Magistrat der Stadt einen Beitrag zu den Schulen geben wird. Keinesweges aber wird dieser genügend sei». Die Protestanten Hierselbst, die ebensalls ihre eigenen Bolksschulen haben, nehmen sogar von Seiten der Commune keinen Beitrag an. Sie wollen sich dadurch frei von jedem äußern Einflüsse erhalte». Es bleiben demnach zur Erhaltung der Schule folgende Wege offen. Es wird durch freiwillige Subscription ein Stammkapital ge« sammelt. Dieses Jahr bat die Reichthumcr sehr gemehrt; es dürsten sich also offene Hände finden, die einen Theil des Gewinnstes diesem wohlthatigen Zwecke zuwenden. Ferner wird als Einnabmsguelle daS zu entrichtende Schulgeld dienen. Endlich wird man sich wohl bei dem Stande der Dinge peranlaßt fühlen, die EultuSsteuer zu erhöben. Sie ist ohnedies hier verbältnißmäßig weit geringer, als in andern Gemeinden. Gelegentlich sei bemerkt, daß die hiesige jüdische Gemeinde beiläufig 1200 Contribucnten hat, und immer noch ist diese Zahl im Steigen. Ich habe mich bei dieser Frage lange aufgehalten, aber cs ist die Wichtigkeit derselben nicht zu verkennen. Es hängt mit dieser Frage die Zukunst zusammen und man kann nur wünschen, daß sie in solcher Weise gelöst werde, damit das, was beute noch von mancher Seite als Fluch angesehen wird, später sich als Segen bewähre. Es wäre übrigens noch zu erörtern, ob mit dieser Volksschule für Knaben auch eine für Mädchen errichtet werde. Es ist indessen kaum anzunehmen, daß der Vorstand um einen Schritt weiter gehen wird, als nothwendig ist.