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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 9 · p. Seite 339

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 9
Article
Briefe aus Wien
Date
1856-01-01
Page
Seite 339 (sequence 4)
Language
German
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Briefe aus Wien. 339 ander» Richtung hin zu wirken. Es ist gewiß, daß jetzt der Gottesdienst in der Synagoge beiläufig das Sumtmun des Gottesdienstes unseres Lebens ist. Es mag da und dort in kleineren Städten noch anders sein; in einer großen Stadt, und in Wien insbesondere, zeigt sich ein solches Berbältniß. Dieses Band muß befestiget werden, die Schule muß den Kindern Gelegenheit geben zu beten, was im Hause oft nicht geschicbt, und zwar täglich zu beten. Ach verwahre mich dagegen, als wollte ich befürworte», die Kinder zu Heuchlern, zu Augenverdrebern zu erziehe»; aber ich will, daß die Kinder vom ״lieben Gott" nicht bloS osfieiell sprechen hören, je alle heiligen Zeiten einmal, oder wenn man gerade von einem Unglücke beimgesucht wird. Im Uebrigen aber soll die Schule auf sonstigem wissenschaftlichen Gebiete mehr leisten, als in den andern Schulen geleistet wird. Selbst unsere Feinde rühmen uns Talent und Befähigung nach; warum sollten wir also es da nicl't bewähren und beweisen können? Vor Einem jedoch möchte ich warnen, und dieses ist zu große Mannigfaltigkeit und Verschieden beit der Lehrgegcnstände. Unsere Zeit hat in pädagogischer Hinsicht den umgekehrten Fehler der früher» Zeit begangen. Man hat den krummen Stab nach der andern Seite krumm gebogen. Der Stab ist dadurch nicht gerade geworden. An früherer Zeit hat sich die Schule blos aus das Einfachste und Notbwendigste beschränkt und hat dieses so gründlich als möglich bearbeitet. An der neuen Zeit hat man die Lehrgegcnstände massenhaft gebäust, und zwar in einer Weise, daß sie nur flüchtig betrieben werden können. Es bewahrheitet sich da die pädagogische Regel unserer alten Weisen!חפשח ט״וגח לא הפשר Ergreifst du viel, so behältst du gar nichts). Beim Privatunterrichte, wo cS gilt einen oder zwei Schüler zu belehren, kann diese Methode fruchtbringend werden; in einer Schule, wo man es mit Massen zu thun hat, muß der Lehrer wohl darauf Acht buben, daß seine Worte die Massen durchdringen, und dazu braucht cs viel Zeit, die nicht zer« splittert werden darf. ES fällt mir nicht ein, ein vollständiges Schulprogramm aüfzustellen; ich wollte mir blos erlauben, die leitende» Grundsatz« anzu« geben. Eine Frage, die damit im Zusammenhänge steht, ist die Geldfrage. Es waltet in dieser Beziehung eiue große Täuschung ob. Man sagt im Allgemeinen, die Wiener Juden sind reich; das ist allerdings wahr. Es gibt hier viele Juden, die sehr reich sind; sic sind sogar in dem letzten Jahre bedeutend reicher geworden. Aber die Wiener Gemeinde ist nicht reich. Sie besitzt ein Haus in der Stadt, wo sich der Tempel 26*

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