Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 338 (sequence 3)
- Language
- German
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338 Briefe aus Wien. malecns. Man kann aber den Wunsch nicht übel nehmen, daß die katholische Geistlichkeit von der jüdischen Volksschule ausgeschlossen bleibe. Eine andere Vorfrage wäre zugleich dabei zu erledigen, in wie fern nämlicb dem Rabbiner oder dem Prediger eine gewisse Macht in Betreff der Leitung der Schule eingeräumt werden soll, oder ob sie ganz außerhalb des Wirkungskreises der geistlichen Oberhäupter liegen soll, um so die Schule gewissermaßen außerhalb des Einflusses der jeweiligen Ansichten des einen oder des andern Predigers zu stellen'). — Wir unsererseits möchten in dieser Beziehung den Mittelweg einsclilagen. Wir sind nicht so reich an Schulmännern, daß wir aus eine Kraft verzichten können, wo sie sich uns bietet. Mlt welchem Rechte sollte also der Rabbiner ausgeschlossen werden, wenn jeder Andere mit einem solchen Maße von Wissen und mit dem Eifer für die Sache, wie man ilm da voraussetzcn kann, ein willkommenes Mitglied einer Schnleom- Mission ist. ES müßte daher unter allen Umständen dem Rabbiner, hier Prediger, Sitz und Stimme bei den Bcrathungen der betreffenden Eommission eingcräumt werden, ohne daß derselbe dadurch die Stelle eines DirectorS bekleidet, dem überall die Macht und Gewalt zustebt. Die Hauptaufgabe einer jüdischen Volksschule muß aber sein תורה עם דרך ארץ. Wir mögen pbilosophiren und systemalisiren so viel wir wollen, so lst nicht zu leugnen, daß die neue Zeit mit der bessern Methode wenig fromme Zuden gebildet hat. Wir können gegen das Leben, wie es in unser» socialen Kreisen hervortcitt, nicht ankämpscn; aber sündhaft ist es, ein Kind großzuzichen, ohne ihm einen Haltpunkt für das Leben mitzugeben. Können wir auch wahrend des Besuches der Volksschule daS Kind nicht über alles Einzelne des Glaubens belehren, so müssen wir il»u wenigstens die Thora, die fünf Bücher Mosis, geben, daß diese Eigentbum des Herzens werden und nie mehr daraus weichen. Die jüdische Volksschule bat in dieser Beziehung noch nach einer I) Diese Krage findet bei einigem Eingehen ihre einfache naturgemäße Erledigung. Kür den Religionsunterricht ist der Rabbiner der eompetente Bern!heiler, und bat er daher diesen Unterricht, so er ihn nicht selbst crtkeilt, zu leiten und zu beausfichkigen; hinsichilich der andern Lehrzwcige bildet der Rabbiner ein Mitglied der Schuldcputation oder de- Schulvorstandes. Es ist auch gar nicht abzusehcn, welches Bedenken sich dagegen erheben könnte. Man wird gern einen bewährten Sprachkenner in den Schulvorstand berufen und ibm die Aussicht über da» Svrachsach, elnrn Mathematiker und ihm die Aufsicht über die Realien anvertraum-, und nur der Rabbiner oder Prediger, dem die Gemeinde di« Kanzel «inräumt, sollt« von dem ihm zukommenden Fache ausgeschlossen sein? D. R.