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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 9 · p. Seite 337

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 9
Article
Briefe aus Wien
Date
1856-01-01
Page
Seite 337 (sequence 2)
Language
German
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Briese aus Wien. 337 bedeutendste Eisenbahn, die mit Dampfwagen Gefahren wurde, die Nordbahn, wurde durch Jude» ins Leben gerufen. öS waren die Herren Baron Sal. v. Rothschild, Leop. v. Wertbeimstein und H. Sichrowsky. Ich kann aber nicht unterlassen, dabei einen kleinen Rückblick aus eine frühere Zeit zu werfen. (v!n Hofkanzleidecret vom 15. Deccmber 1781 gestattet den Juden bereits den Besuch der Gymnasien. Im Patente vom 2. Januar 1782 wird ״die Erlaubnis! zum Besuche der Universität, der niemals untersagt war, bloS erneuert". Der bückstselige Kaiser Franz I. bat bei der Errichtung des polytechnischen Institutes darauf Rücksicht nehmen lassen, das! der Sabbat, der Juden halber, als Ferialtag bleibe swas jetzt nickt mebr statt findet!; nnd im Jahre 185(» gibt man es den Herren Vertretern als Mahnung, daß sie <S dankbar binnebmen könnten, wenn die israelitisch« Jugend die böbcrn Schulen besuchen darf. Ob es übrigens die Schuld der Juden ist, daß sie nicht geistig zur Hebung der hiesigen Schulen beigetragen haben, können wir auf sich beruhen lasse». Der gröste Judenfeind wird am Ende nicht be« banpten wollen, daß cs dem Juden an Talent und Begabung fehlt, aber das ist es eben, was man fürchtet. öS ist jedoch Gottlob! noch so viel Glaubenstreue unter uns, daß Männer, die das Wissen und die Befähigung haben, nicht ihren Glauben und ibr Volk verleugnen wollen, um ein Ehrenamt zu bekleiden. Sie stehen im Dienste der Wissenschaft, wenn ihnen auch nicht gegönnt ist, von der Kanzel herab ihre Principie» zu verfechten. Ich wiederhole, es scheint dieser Passus in einem Momente der Gereiztheit niedergcsckriebeu worden zu sein. Der finstere Geist ist nicht in dem neuen Oesterreich der waltende, als daß man glauben sollte, man hege solche Ansichten auch bei ruhiger Uebcrlcgung. Ich weis! nicht, wie weit die Verstimmung führen dürste. Darüber täuscht sich jetzt wobt Niemand mehr, »um wird eine jüdische Volksschule errichten müssen. Erlauben Sie mir, in dieser Beziehung kurzgesaßt meine unmaßgebliche Ansicht zu äußern. Vor Allem: Die jüdische Volksschule steh« außerhalb aller und jeder Uebcrwachuug von Seiten der katholischen Geistlichkeit. Diese Negation müssen wir allen andern positiven Punkten vorausstellen. Wir wünschen nicht nur, sondern sind auch dessen fest überzeugt, daß bei uns Juden nicht derartige Ueberspanntheiten Vorkommen werden, wie sie da und dort in katholischen Schulen vorhanden sind, wo alles auf Katholicismus hinausläuft und hinauslausen muß, selbst das Ein- Frank«(, M«natSschr«f1. V. S. 26

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