Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 1)
- Language
- German
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336 Briefe aus Wien. Briese aus Wien. vu. (line eigen: hü m liehe Aufregung wranlapte die l?ntfdvitu1u־\ des Unterrichtsministeriums in Stn^elcflcnbcit der C5*rruf'tun^ ji^ifd'cr Volksschulen. (5s ist tiefe in einem Tone ahKfafu, der zeigt. daß man in jenen Kreisen durch die Qvvosilion zur Leidenschaft sich dar binreißen!affen. Manä׳c der geehrten Leser, die. die Wiener Venmirnlsse kennen, werden vielleicht verwundert umherblicken, wie es denn möglich sei. t,וו•: die Vertreter der Wiener isr. lvultusgemeinde, die wegen ihrer Lova- Iitat bekannt sind, fich zur Orposition bekennen willen. Und doch kam es so! Ich will durchaus nicht.Partei für diese CmMitieii ergreifen, aber denen, die dagegen eifern, möchte ich das bekannte audiatur e: altora pars znrusen. Die Antwort des Ministeriums lauter nun dabin: Nachdem, nach der Aenßerung der Vertreter, eine Volksschule Nicht biiireicbcn wurde, so sollen sogleich zwei ins Leben gerufen werden: eine in der innern Stadt. und die andere in der Leovoldstadr. Den jüdischen Bindern, die in den anderst von diesen Schullocalitaten ent-- fernten Vorstädten wohnen, wird es nach wie vor gestattet sein, die betreffenden christlichen Schulen, in deren Nahe sie sieh befinden, zu besuchen. (5s wird ferner darauf bmgewiesen, daß viele der hiesigen Volksschulen voll christlichen, geistlichen Sttftungsgeldern ins Lehen gerufen wurden. Zum Schluffe wird in der Entscheidung bervorgehohen, die Vertreter könnten es dankbar binnebmen, daß man der rsraelitischen Jugend gestattet, die ltznmnasien. Realschulen und Universität zu besuchen, zu deren Begründung und gedeihlicher Entwickelung die Wiener Israeliten so wenig ger!׳an haben. Es ist dieses ein Vorwurf, den weder die Israeliten in Wien, noch die Israeliten in den Grönländern oder sonst wo Krhieut haben. So 'viel uns bekannt ist, werden alle diese Institute, mit Ausnahme einiger wenigen, vom Staate erhalten. Wir glauben aber, daß zum Staatsschätze die Juden in vollem Maße das ihrige heitragem Bis zu dem Jahre 1848 trugen sie wie bekannt verhältnifimaßig noch mehr dazu bei. Ich erinnere übrigens an die mannigfachen Stiftungen, die zu Gunsten dieser Anstalten von den Juden Rothschild, Liebenberg 11. A. gemacht wurden. Wenn diese Logik eine richtige wäre, so könnte man morgen mit eben demselben Grunde beweisen, daß die Juden von Rechtswegen gar nicht die Fahrstraßen befahren dürfen. Eisenbahnen zu benutzen könnte man uns allerdings nicht verweigern; denn die erste und