Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Briefe aus Jerusalem
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Briese aus Jerusalem. 333 fischen Reiches: Schulen zu errichten. Dieser zu entsprechen, fehlen hier alle Geldmittel, und so betrachten sie de» hocbbcrzigen Gedanken der Frau Elise von Herz-Lämcl als einen von Gott gesandten, der sie in die Lage setzt, dem Aufträge und der Absicht il׳rer Negierung ent, sprechen und zugleich ei» Bednrfnist nach Unterricht erfüllen zu können. Dieses ist unter Bielen so groß, daß sie mit den grösten Opfern ihre lüj״der durch Privatlehrer unterrichten lassen, und, wenn auch mit widerstrebendc», Herzen, in die protestantische Missionsschule schicken, um sie z. B. die Landessprache, und englisch oder französisch erlernen zu lassen. Heimlich geschieht dies selbst von einzelnen Pbarisäern (״Pernschim"). Wir wollen durch Nennung ihrer Namen sie dem Zorne ihrer Gleichgesinnten oder der Entziehung' von Almosen nicht preisgeben. Die sepbardische Gemeinde — in welcher eine bedeutende Anzabl österreichischer Unterthanen — ^vereinigte sieb mit Herrn I)r. L. A. Frankl zu einem Schulprogramme, welches gegenseitig am IO. Juni durch Unterschrift nnd Siegel bekräftigt wurde. Es war nun eine auffallende Erscheinung, wie die entschiedene Minorität, welche noch dazu nicht aus Heimischen, sondern nur aus Fremden, seit kurzer Zeit Eingewantcrten, Russe» und Polen, besteht, sich alle Mühe gab, das nun einmal Beschlossene zu stören. Eine eben so freche Anmaßung als Einmischung in die Berbältnisse eines Staates, der sic mit der grösten Gastfreundlichkeit nrekr als duldet. Wir wollen geneigt annehmen, daß manche Aeußerung, mancher gesprochene Widerstand, manche Demonstration nicht von den Vorstehern, sonder» nur von einzelnen ״jüdischen Derwischen" ausgegangen ist. Wir führen der Euriosität wegen an! Aufreizende geschriebene anonyme Placate gegen die Anstalt an den Häusern der angesehensten Ehachamim: nächtlicher Aufruf einzelner berauschter Schwärmer, SUagelieder anzustimmen; endlich die Aufforderung zweier Religionsschwärmer, sich an der Westmauer des Tempels zu versammeln und um Abhülfe der ״Gefahr" zu beten. Dinge und Scenen. wie sie der edle aufopfernde Montefiore, der begeistert thatige Albert Eohn erlebten und erdulden mußten. Wirklich kamen 4— 5 Individuen dahin und störten durch ihr cxecssives Benehmen die Andacht Vieler, namentlich jüdischer Pilger aus Aleppo. Die Situation dürfte am Besten durch folgende, an die Vorsteher der Aschkenasim gerichtete Zuschrift des k. k. österreichischen Consuls erscheinen, sie lautet wörtlich wie folgt: