Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 8 · p. Seite 310

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 8
Article
Briefe aus Österreich
Date
1856-01-01
Page
Seite 310 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829192-2829201-2854569--03058-2854610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

310 Briese aus Oesterreich. Leben, bas diese Leute einerseits t'ubren. anderseits in Trunksuch u. s. w. ausartet. Das Spiel, daS die Leiter und Führer dieser Partei (Rebbist treiben, ist ein wahrhaft frevelhaftes. Das Treiben von R. Trutze ist bereits mehrfach in Journalen erwähnt worden, und nachdem dieser gestorben ist, macht es sein Nachfolger nicht besser. Dabei ist nur der Aberglaube und die Leichtgläubigkeit des Volkes zu bewundern. Vom frühen Morgen und zwar um 4 Uhr bis spat in die Nacht warten massenhaft die Leute, und sind glücklich eine Audienz zu erhalten. Für alte Leiden des Lebens hat der Man» ein Mittel. (Sr macht, daß die unfruchtbaren Frauen fruchtbar, die Alten jung werden u. s. w.. und kein Flcbender und Bittender erscheint mit leeren Händen. Sittlich entarteter aber sind noct׳ diejenigen, die das polnische Gewand (Kaftan, Streunel u. s. n\) abgelegt haben: und daher mag denn auch der Haß kommen, den die Polen gegen die Deutschen haben. Dabei muß ich jedoch bemerken, daß dieses nur von den kle׳nen Städten gilt.. In den größeren gibt es Männer von Ruf und Namen, die zu der Zierde unseres Volkes gehören, die die deutsche Tracht tragen und wahrhafte Religiosität und Bildung fördern. Was zwischen den Extremeu liegt, dableibt sich so ziemlich gleich in Lemberg, wie in Brödy und Krakau 's. Die Mädchen lernen nichts oder wenig, und die Knaben gehen iuS 0״beider" bis zu dreizehn Iabren. dann beiratheu sie bald und verbringen zumeist il׳r Leben iu Jammer und Elend. WaS für Galizien dringend noth tbnt, das sind Schulen. Bielleicht rvcrdcn Sic in einer der letzten Nummern des ״.Kladderadatsch" ein Bild aus Rußland gesehen baden, wo ein russischer Beamter mit einer großen Bürste die Juden zu Dutzenden einseift, um ihnen die Bärte ab zu nehmen. Die österreichische Regierung verschmähet klugerweise einen solchen Vorgang. Nichts desto weniger aber ist ihr dieser Zustayd verbaßt- Mit Gewalt läßt sich da allerdings nichts auSrichtey: aber das gar nichts Tdun. fordert auch die Sache nicht. Sebulen würden da das beste Mittel sei», und zwar müßte mit Kinderbewahraustalten begounen werden, und sie würden sich als wahrhaft segensreich erweisen. Bis setzt gibt es Schulen, die erfreuliche Resultäte liefern, in Lemberg. Brody und Tornopel. (In Brody. wo eine Realschule bestehet. die bereits von weil. Kaiser Franz begründet wurde. I) Ich muß mir bei diesem Worte eine kleine Bemerkung gestatten. Bekanntlich Kat die Glosse des *'יפי, daß man Trauungen unter freiem.Himmel vorzunebmen vstcgt. zu vielen Streitigkeiten Veranlassung gegeben. Run befindet sich aber in Krakau die ״-״vn-Schule". und in derselben ist der Platz noch bezeichnet, wo derselbe die Trauungen gehalten hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.