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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 8 · p. Seite 309

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 8
Article
Briefe aus Österreich
Date
1856-01-01
Page
Seite 309 (sequence 6)
Language
German
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Briefe aus? Oesterreich. m dafür, nicht bloS uni den materiellen Wohlstand der Juden, der jetzt ganz bodenlos ist, zu l׳el׳en, sondern auch weil wir glauben, daß dadurch eine innere Regeneration vor sich gebe» werde, der frische Erdgeruch könnte den uinnebelten Kleist crbellc». Dar»in rufen wir: ״Aus! bade Schüler unverdrossen Die ird'schc Brutt int Morgenrot!׳." Indem wir nur die Hoffnung aussprechen können, es werde der erleuchtete Geist der Regierung endlich die Dorurtbeilc besiegen, sind wir erfreuet, de» Lesern die MiUhciliing »lache» z» können, daß Herr M. ■Stalliv, Präsident der Handele- und Gewerbekamnier in Brody, eine Stiftung vv» 5000 Fl. »!achte, deren Interessen als Stipendien an junge Israeliten vertbeilt werden sollen, die sich dem Ackerbane oder einem unter de» Inden wenig verbreiteten Handwerke widme». Ich greife nun, wie man sagt, in ei» Wespennest, indem ich »!ich anschicke, die religiösen Verhältnisse zu besprechen. Meine verehrlichen Mitbrüder in Polen werden vielleicht böhnisch die Achsel zucken, wie cs ein ״Datsch" wagt (und das bin ich, da ich deutsch schreibe) über die religiösen Verhältnisse der Pole» zu schreiben. Ich »>uß dabcr von Vornhincin mein Glaubensbekenntniß ablegc». Aus Religion achte und erkenne ich jede Religion an, und ebenso wie ich wünsche, daß Andere meiiie Ansichten gelten lasse» »lögen, in derselben Weise ebre ich jede Ansicht, die aus dem tiesinnersten Gemüthe oder aus Uebcrzcugung kommt. Wir Juden halten keine Ketzergerichte; wir überlassen es dein Allwissenden zu entscheiden, wer im Rechte, wer im Unrechte «st. Unsere alten Weisen sagen א״ע״ס שחטא יש־אל הוא. Aus tiefster Seele aber verabscheuen wir es, wo die Eine» sich berechtigt kalten über die Ander» zu Gerichte zu sitzen und ihnen die Seligkeit zu- oder abzusprechen, und das geschieht in Pole». Von den Ehassidii» bis hinauf oder herunter sie nachdem man es eben nehmen will) z» den Dcutschgekleideten verketzern die Einen die Andern. Da bat jeder für sich das Himmelreich ״gepachtet". Mit unparteiischem Auge geprüft, sind auch allerdings die beiden Extreme diejenigen, die am wenigsten Segensreiches fördern. Die Ekassidim, die sich als solche nennen und geben (unsere Lehrer meinten לא, עם הארץ חסיד), scheuen, wenn sic sonst irgend einen Zweck, der weiter und böher trägt, verfolge», kein Mittel, um denselben zu erlangen. Ich will nicht die traurige Geschichte von dem seligen Rabbiner Kohn in Lemberg wiederholen. Mancher fromme gebildete Pole kann aus eigener Erfahrung so manches erzählen, was einen grellen Schatten auf die Ehassidini wirst. Es ist auch ei» Bekanntes, daß das asketische

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