Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Briefe aus Österreich
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 8)
- Language
- German
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Wissenschaftlich« Aufsätze. 3rr ist seltsamer. Weise, ohne daß es das Gesetz vorschreibt, der Lurector ein Christ.) Möge das Netz sich immer weiter delmcn und datief, gesunkene, mit vieler Begabung ausgerüstete Volk sich erhebe». Wissenschaftliche Aufsätze. Das Buch der Jubiläen. Neben dem großen Gebiete der Halacha. der Erforschung und E'rkenntniß des Gesetzes, ziehet i» der jüdische» Literatur das von den besten Kräfte»! durchfurchte und gngebaucte Gefilde der Hagada die Anfuicrksaiukeit des Forschers aus sich. Wie die Halacha von ungemeiner Geistestiere, so zeigt die Hagada von einer Gemüthsfulle, die sich in hehrem Aufschwung zum Höchsten und Heiligsten erbebt. Trost. Kräftigung, religiöse Belehrung, sittliche Ermahnung verkündet und spendet, und deren eigentlichster Urquell die ticfinnigste Glaubenswarme ist. Zur Unterlage nimmt sie gewöhnlich eine» biblischen Spruch, oder sic knüpft an eine bibl. Person oder Erzählung au, überträgt auf sie manche Zustände der Gegenwart, uin das Lerständniß der Jetztzeit zu erleichtern, oder uni aus einer lichtvollen Bergangenlwit auf eine lichtvolle Zukunft hinzuweisen. Neben der tiefe» Gemütbssülle begegnet man aber auch einer kaum geahnten Geistesschärfe; hier sprühet Alles geistige Funken: Wortspiele, sei» pointirte Deutungen, scharfsinnige Auffassung bilden die Faden, die vom Gebiete des Gefühles hinüber in das Reicb des Verstandes laufen, und so bewegt sich die Hagada >n steter lebendiger Frische. Nach dem etymologischen Begriffe ist Hagada das ״Lagen", der Spruch, die augenblickliche Eingebung; sic macht nicht auf Gültigkeit Anspruch, will nicht eine eigentliche Exegese geben: sie ist ein anfzuckender Blitz, der vorübergehende Ausdruck, das Gewand für den in Religion und Sittlichkeit basirendcn Gedanke» (vgl. 2. Zahrg. S. 388). So stellt sich die eigentliche alte Hagada dar, wie man sic in den Talmudcn und in den früheren Midraschim (wie zur Genesis. Levit., Hobel. ». a.) begegnet. Mit dem Abschlüsse der Talmude gibt die Hagada allmälig ihr eigentliches Wesen auf: sie verliert an Schwung und Erhabenheit, der poetische Ausflug, die kühnen Bilder nud farbenreichen Parabel» schrumpfe» zusammen, bis sie endlich in der trockenen, geist- und phantasielosen Legende ausinündet. Hier wird die Hagada zur eigentlichen Sag«: sie spinnt weite Erzählungen von biblischen Personen und Vorgängen aus, die jedoch weder durch