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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 8 · p. Seite 306

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 8
Article
Briefe aus Österreich
Date
1856-01-01
Page
Seite 306 (sequence 3)
Language
German
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m Brief- >\,«s Oesterreich. l'loS auf den Trödel sich verlege. Doch abgesehen dary». ist wohl diese Furcht begründet? Galizien zählt viele Juden, beiläufig 350,000 Individuen: zu Brody bilden bekanntlich die Juden zwei Drittel der Einwohner. Reicht dieseaber hin, daß das verhältnißmäßig kleine Häuflein Furcht erregen könnte? Glaubt man aber etwa, daß der ReichthM esei, der diese,» kleinen Theile ein solches Ifebergewicht verleihet, so müssen wir dieses entschieden in Abrede stellen. Die Amiuth ist bei den galizischen Juden wahrhaft eingebürgert; es herrscht da ein Jammer und ein Glend, wie man es sich kaum gräßlicher vorstellen kau». In vollem Sinne trifft da bei so vielen rechtgläubigen, frommen Juden das Wort des טורי זה־ ein, wo er von יין קדו׳ט spricht und sich als Beispiel ansübrt (כגון אגי), daß ihm die Mittel abgeben sich solchen anznschaffen. Der Brandwein, der eine Hauptrolle spielt, ist öfters die Folge der Verzweiflung. Wir sehen da dieselben Crscbeinungen, wie in Cngland bei de» niedrigen Loltselaffen. — Wir wissen keinen Fall, und es ist uns auch gänzlich unbekannt, das! ein Jude so zu sagen einen Christen beschwatzt!!arte und das Grundstück um einen billigen Preis an sich gebracht; aber gefegt, daß dies auch geschehen wäre, genügen vereinzelte Fälle, um darnach ein Gesetz zu fassen, und eS auch ausrecht zu halten? Da könnten sichö die Herren doch leichter machen; wozu Gründe angeb«»! lieber frisch weg sagen: der Jude wird verbrannt. Daß aber allerdings dem Inden, und den! polnischen Juden insbesondere, ein gewisses Talent nicht abzusprechen ist, daß er die Dinge kennt und verstehet »nd dieses nicht nur zum eigenen Nutzen, sondern auch zv»! Nutzen Anderer verwendet, ist gewiß nicht abzustreiten. Ich erlaube mir Ihnen in dieser Beziebnng ein Faetu»! mitzutbeilen. In Brody war vor einigen Jahren ein jüdischer Postmeister. Durch aller- Hand Clnkancu bat man endlich einen Christen l,ingesetzt. Doch es lausten sich in solcher Weise di« Klagen gegen die Amtsführung des, selben, daß man sich dann wieder genötbigt sah, den Inden in das Amt einzusetzon. Weniger erfreulich aber als irgendwo >n Oesterreich sind die socsalen Verhältnisse der Juden >n Galizien. Ich will nicht sprechen von dem Zusammenleben der Juden und der Christen; dies« waren da nie freundlich. Die Polen, die ,.edlen Polen", wie sie sich selbst gern nennen und nennen boxen, die so viel von Freibeit und Selbstständigfeit z» sprechen wissen, haben zu der Zeit. wo sic die Macbt und Herrschast ansübten, auch nicht die Juden freundlich ausgenommen und behandelt. Ich habe bist aber nur die socialen Vcxhältnisse unter den

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