Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Über jüdische Gelehrsamkeit und Literatur in den Niederlanden
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 2)
- Language
- German
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lieber jüdische <Melel'r|\1mfeit und Literatur 286 üdlich. 20׳ n'iivbcn bei den tU'vitcbmcu beide Sprachen bespreche», wenn sich auch nicht allenihalbe» Bekanntschaft mit der Literatur beider Beiter zeigte. Die portugiesische Sprache wurde und wird noch für alle vronvmischen Angelegenheiken der Svnagvgen und anderer pvrlugiesisch - jüdischen Berwaltuugcu und Stiftungen gebraucht. Der Kanzelvortrag wurde in frübester Zeit nach dem Belieben des Bvlkslehrers in einer der beide» Sprachen gehalten; aber für Theologie und alles was iiu Allgemeinen ^um Studium und zur Wissenschaft gehurt, war auch unter Portugiesen von Gebnrt nur die spanische im Gebrauch. Die hebräische» Gebete wurden zum Nutze» der Frauen oft in letzterer Sprache herausgegeben; die Klagelieder Jeremias' wurden bei der Gedächrnißfrier von Jerusalems Zerstörung im Hebräischen und im Spanischeu vorgcleftn. Manasse ben Israel schrieb nur sfinzelnes vortngiksisch; sein <:״m־ilia<l״r und andere zahlreiche Schriften sind ursprünglich im Spanischen ab gefaßt. Auch Drob io, obschou gleich Manasse von Geburt Portugiese, schrieb seine gelehrte» Werte in spanischer Sprache, was scdoch um so weniger befremdet, wenn man bedenkt, das; er eine lange Reibe Jahre in Salamanea Profcssor gewesen. Tie hochdeutschen Juden, ihrer Abstau»nnng nach uicist aus den westlichen Gegenden Deutschlands, brachten ihre schon an nud für sich verdorbene hochdeutsche Sprache mir, die durch die um sich greifende Ausartung nnd Bermischnng mit ciuzeluen halbversrandencn hebräischen Wörtern immer ivenigcr verständlich wurde. Tie polnischen Juden fügten ihren slavonischcu Beisatz hinzu, welche beide Bestandtheile mit dem uncivilisirtesren Holländischen vermischt, eigentlich keine geordnete Sprache mehr bildeten. Seit der Ausnahme der Inden in den Niederlanden hat man daher gestrebt, diesen jüdischen Jargon, in welchem sogar einige Schriften verfaßt sind ft, durch ausschließlichen Unterricht im Niedcrdcntschcn abznschaffen. Außer einem, wie weiter erwähnt werden 21 (i.i ct:i1tivt unter Mebrerem eine im Aufträge des berühmte» Athias in diesem Dialekte von einem gelehrten Israeliten, Namens Joöl Wichenhausen, übersetzte Bibel, von dem erwähnten Buchdrucker zu Amsterdam im I. 167» berausgegeben. Siebe De Nosü. Dizzionnrio T. II. p. 163. Rach Schudt, Jüdische Merkwürdigkeiten, Th. II. 4- 281, sollen zwei Christen, der Schöffe Wilbeli» Haanid Jans und der Advokat LaurenS Baeker. dem Herausgeber (Held vorgeschossen und ihm von Johann Lvbieskv, König von Polen, ei» Privilegium verschafft haben.