Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Briefe aus Österreich
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829192-2829199-2854446--02942-2854481- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Briese auS Oefterreicb. 221 Bedeutung batte, so fanden es manche Gemeinden für notwendig, Männer des Wortes als Rabbiner anzustellen, also solche, die eine» gewissen Grad von Bildung aus wissenschaftlichem Gebiete batten, die wenn auch nicht im Parlamente, doch von der ftanzel berat׳ die Rechte der Juden vertbeidigen konnten. Ich kann jedoch •ad vocom Rabbiner eine« wichtigen Punkt nicht übergehen. GS ist bekannt, wie früher ein jüdischer Rabbiner gebildet wurde. Von Jugend an dafür bestimmt, war die ganze Bildung und Erziehung dahin gerichtet, den jungen Menschen zum Rabbiner heranreifen zu lassen. Hatte der Jüngling das dreizehnte Jahr zurückgelegt, so zog er auf eine Jeschiba oder bezog sie zu Hause, wenn eine solche im Orte bestand, und blieb da, bis er sich eine gewisse Summe des Wissens angeeignet hatte, wo er dann bei einer andern Eelebritat seine Studien sortsehte, oder sich In Privatverhaltnisse zurückzog, bis er eine Stelle erlangte. Das Ieschibawesen bat nun so ziemlich ganz ausgehört; was nock׳ als derartig gelten will, bat bloS den Namen. Andererseits aber, wo Eltern sich geneigt fühlen ihren Sohn zum Prediger beranzubilden, lassen sie denselben frühzeitig studiren. Wahrend der Zeit der Gymnasialstudien, die acht Iabre dauert, ist es dem jungen Manne kaum möglich, sich mit irgend einem anderen Gegenstände als den Gymnasialstudien wesentlich bekannt zu machen. Der Unterrichtsplan für Gymnasien ist in solcher Weise angelegt, das! die Studirenden vollauf beschäftigt sind. Bedenkt man nun. das! Gymnasialschüler hier vier Sprachen obligat erlernen müssen, lateinisch und griechisch 00 ipso, deutsch, da die Unterrichtssprache deutsch ist, ferner ungarisch, da in jedem Kronlande die Landessprache als obligater Lehrgegenstand gelehrt wird, so kann es nur zu den ausierordentlicbsten AuSnabniSfällen geboren, das! ein junger Mensch in der frühesten Jugend einen bedeu« tenden Fond jüdischen Wissens sich erwirbt, und das! während der Gymnasial studien der Eifer für den künftigen Berus in so weit nicht erkaltet, um das bereits Erlernte nicht zu vergessen. Ermessen-Sie nun nach dieser Darstellung, die nicht im Entferntesten übertrieben ist, wie in einem oder zwei Jahrzehnten die Rabbiner sein werden. Ich glaube ein Beer-Hetew lamdan wird zu den Seltenheilen gehören, da es Viele geben dürste, die die Raschischrist nicht zu lesen im Stande sein werden. Man must wiederholentlich auf diesen Gegenstand zurückkommen, um zeitig genug dem Uebel abzuhelfe». Dann dürfte es ״zu spat" werden. Cs wird diese Frage seit dem Abschlüsse des Eoncordates, wie schon früher bei einer andern Gelegenheit erwähnt wurde, um so schwieriger. Die katholischen Gymnasien werden ganz Frankel, Mouaisschrist. V. #. 17