Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Salomon Molcho und David Reubeni
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 8)
- Language
- German
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212 Salomo» Mo Ich o und David Röubeni. haben, und doch war er außerordentlich belesen in der talinudischeu und kabbalistischen Literatur, Beweis genug, daß er ans einem Lande stammte, wo die Entwickelung der jüdisch-theologischeu Studien heimisch war, und nicht ans einem Kreise, welcher außer Zusammenhang mit Talmud und Kabbala gestanden und gewissermaßen ein rein biblisches Gepräge bewahrt hätte. Die Nachricht von David Rsnbeni's Auftreten in Palästina, welche venetianischc Schiffe nach Italien brachten, versetzte die italienischen Jude» in fieberhafte Spaminng. Ein jüdisches Reich von den Zehnstämmen mit einem jüdischen König sendet einen Abgeordneten an den König von Portugal, welche Erinnerungen und Hoffnungen knüpften sich nicht an diese Thatsache! In der Bintbezcit der Länderentdecknng, als man jeden Tag erwartete, ein neues Wunderland plötzlich anstanchcn zu sehen, als das Wunderbare selbst an der Tagesordnung war, kam den Inden das Borbandensein der Zehnstämme nicht unglaublich vor und erweckte messianischc Erwartungen. War nicht die messianischc Zeit an das sich wieder Einfinden der Zehnstämmc geknüpft! Und mehr noch als die italienischen Inden waren die flüchtigen Marannen in Italien von dem Auftreten David Rönbeni'ö tief bewegt, sic hofften von dein baldigen Eintreten großer Ereignisse einen günstigen Umschwung für ihre gedrückte!! Verhältnisse. Als solchergestalt die Erwartungen der Inden durch David Rsnbeiii gespannt waren, traf er im Jahre 1524 über Venedig in Rom ei» mit einer Botschaft au den Papst ElemcnS VII., jenen vortreffliche» Kirchenfürstcn aus dem Geschlcchtc der Mcdicis, welcher de» Juden besonderes Wohlwollen zeigte und in Salomon Molcho'S Lcbensgcschichlc tief cingriff. In Rom machte David Rönbeni's Erscheinen viel Aufsehen. Er ritt stets ans einem Manlthiere und war von zehn jüdischen Läufern begleitet. Man weiß nicht, ans welche Weise er sich beim Papste cingefübrt hat, gewiß ist aber, daß dieser Kirchensürst ihn sehr auszcichnete, ihm eine Ehrenwache gab und ihm die Sehens- Würdigkeiten der ewigen Stadt zeigen ließ. Das Märchen von selbstständigen jüdischen Reichen in Arabien scheint also auch bei Clemens Glauben gefunden zu haben. Er wußte cs auch durch einige Umstände plausibel zu machen und den Papst für seine Zwecke zu gewinnen. Er erzählte nämlich als Zusatz zu seinen früheren Aussagen, die jüdischen Stämme seien Willens, sobald sie durch die europäische Waffenlieferung Sieger über die Moha-