Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 5 · p. Seite 180

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 5
Article
Briefe aus Österreich
Date
1856-01-01
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829192-2829198-2854371--02886-2854411
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

180 Briefe aus Oesterreich. die czechischen Wortführer vom Jahre sich zu regen ansingen, da lernten auch die Juden über Hals und Kopf ezcchisch. und die jüdischen Gebetbücher wurden ins l^zechische übersetzt. Die Inden liaben sich da wieder einmal tauschen lassen, wie dieses scholl so oft geschehen ist. Die Parteiführer der zechen warfen nämlich den Koder hin, dasi die Juden nur dann emaucipationssähig sind, wenl׳. sie sich vollständig mit dein Lande assimiliren, und die Juden gingen darauf ein^). Indessen betrachten wir dieses keinesfalls als Verlust, wenn die Juden mit allen! Freiste die Sprache des Landes, in welchem sie wol׳nen, vollkommen erlernen. Unsere alten Weisen erzählen, dasi die Männer des Synbedrillms siebzig Spracl'en gesprochen llnd verstanden haben. l<s ist ailch beute, glaube ich, dem Juden nicht abzustreiten, dasi er Talent zur Erlernung freinder sprachen l׳at. Anderseits aber ist es gewiß nur von Vortbeil, wenn der Jude das Gebiet kennt, wo man ihm feindlich begegnen will. . Wenn ich aber früber voll Feindseligkeit gegen Juden in den czeehiseben Bezirken sprach, so gilt dies allerdings nur von den Hohergestellten. Der Bauer ist in! Ganzen dein Inden nicht feindlich gesinnt.. 15s liegt zunächst, wie ich aus mannigfacher Erfahrung weist, darin.׳ Der Jude lst iln Allgemeinen weit intelligenter, gebildeter, als der Bauer. Der ärmste Jude läßt sein Kind unterrichten, und wenn das Kind auch nur tvbnmesch (Pentateuchs gelernt bat, so bat es schon eine große Summe des Wissens. Der 'Bauer achtet also zunächst in ihm die Intelligenz. Wir haben überhaupt von jeher nicht unter den Ballern, sondern iln Pfahlbürgerthum die ärgsten Feinde gehabt: den Herren mit dem GiumaleiuSgesicbte, die überall die Inteliige!lz des Juden fürchten und genug blasirt sind, dieselbe nicht zu achten. Dieses Mißverhältnis! tritt in Prag am deutlichsten hervor. (5׳tf ist nicht blos das Gl׳etto, das die Inden scheidet, eü sind ganz andere '׳Momente vorhanden, die die Trennung zwischen Inden und Christen dauernd nlachen. Hoffen wir, dasi in dieser Beziehung die Zeit denn doch einzelwcise die Vermittlerin machen wird. Ich kann nicht von dem Kronlande Böhmen scheiden, ohne noch einen Gegenstand zu berühren. Wir klagen, dasi der Satz: ״Gleiches I) Soviel uns bekannt, hat die Iudenschaft Prags vom ersten Beginne der Bewegung sich zu der Regierung, auf deren Seite die Deutschen in Bobmen standen, gehalten, und verharrte mit standhafter aufopfernder Ausdauer, trotz der großen ihr von den <>zechen drobenden!׳Kabren und vieler ersahreuen Drangsalen, bei der Fahne des Kaisers, als des legitimen Landesfürsten. D. Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.