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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 5 · p. Seite 179

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 5
Article
Briefe aus Österreich
Date
1856-01-01
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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Briefe aus Oesterreich. 17S in Mähren das Landesrabbinat. Es ist überhaupt eine eigenthümliche Erscheinung tut Iudcntbume, daß, obschon es in gewisser Beziehung auch den geringsten Minhag nickt fahren läßt, will es andererseits keine Autorität anerkennen, die l'loS auf den Rainen, aus die Stellung sich begründet. Das Wissen allein verlieh die Anerkennung. In neuester Zeit möchte man allerdings behaupten, das! auch dieses kaum mehr den Ausschlag gibt. Der frühere Rabbiner iinponirte dem so« genannten gemeinen Mann (עב הארץ) durch das talmudische Wissen, das diesem ganz freind war. Jetzt, wo deutsch gepredigt wird, mastt sich Jeder ein Urtbcil an, weiß Jeder und will Jeder den Werth des Rabbiners zu würdigen wissen. Viel arger aber als mit den Nabbinen sind in Böhmen die Bcrhältnisse mit den sogenannten Religionsweiscr» bestellt. Während der Rabbiner dock gewisse Zeugnisse über seine Befähigung ablegen muß, ist jeder ReligionSwciser, der eben nicktS Anderes und Besseres zu tbun im Stande ist. Ein solcher Religionsweiser vereinigt alle Eigenschaften in sich: Prediger, Religionslehrer, Schächter, und wenn sich ein Geschäft noch nebenher bietet, zugleich die des Kaufmanns. - - Daß dieses nickt zum Heile der Gemeinden und der Jugend führe» kann, ist unnöthig auseinanderzusetzen. Eine» Punkt muß ich im Kronlande Böhmen besonders hervorheben, der in socialer Beziehung sehr bedeutend ist. Die Bevölkerung in Böhmen ist bekanntlich gemischt; es gibt Deutsch-Böhmen und czcchische Böhmen. Jedoch ist das Lebe» der Inden in diesen verscbjedenen Bezirken mitten unter den Christen ein verschiedenartiges. Es herrscht weit mehr ״RischuS", Judenhaß, wenn ick mich so auSdrücke» darf, in den Kreisen wo czechisch gesprochen wird, als in den andern. In den Ezechcn lebt nock ungemein viel Hussitismus, eine gewisse Berstocktheit und Verschlagenheit, wie sie sonst selten Vorkommen. Der Jude bat dieses am ineisten zu büßen. Dazu kommt noch ein andres Moment, daß der Jude die czechische Sprache, die überhaupt nicht weich und sanft klingt (eS gibt da viele Wörter, die keinen Selbstlaut haben, wie 8trc, prst, skrs, skrk, manche», Deutschen dürsten diese Worte den Mund verrenken) sehr radebricht. Es geschieht das von Seiten des Juden mit allen Sprachen, doch nirgends vielleicht so arg, wie gerade bei der czechische». Allerdings gibt cs auch ein derartiges Verhältniß in Mähren, doch tritt es daselbst bei weitem nicht so grell hervor. In Mähren wird das Czechische auch vom Christen nicht rein gesprochen, er spricht mährisch und der Abstand ist daher nicht so groß. Darum finden wir in Böhmen eine ähnliche Erscheinung, wie in Ungarn. Als »4»

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