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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 5 · p. Seite 181

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 5
Article
Briefe aus Österreich
Date
1856-01-01
Page
Seite 181 (sequence 5)
Language
German
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Briefe a»S Oesterreich. 181 :tfooht fiir V'ülc" bei u»S in betreff botf Inden noch nicht tuu Wahrheit geworden ist, und gewiss werden wir dafür kämpfe», so lange 11 ne die Kraft zn Gebote stehen wird, bis der Satz endlick׳ wahr geworden ist. «•$ ist jedoch immerhin gut. auch einen kleinen Rückblick zu werfen. Die Ereignisse des Jahres 1HS haben bekanntlich dem österreichischen Staate nicht geschadet, im Gegentheile habe» sie demselhen neue Flug« und Schwungkraft gegeben. Er stehet jetzt weit mächtiger da als zuvor. Wir Inden haben ebenfalls über jene Ereignisse nicht zu klagen, wenn wir auch schwere Opfer bringe» mussten »nd die Wuth des Pöbels »ns manchen harten 5 eh lag versetzt hat. Bekanntlich gab es bis zum Jahre 1S4M in Oesterreich ״Iudensteuern". Sie waren überall hart und drückend. Ich brauche nicht an bekannte Scene» in Galizien zu erinnern. Doch am drückendsten waren ste in Böhmen, und zwar deshalb, weil da die Steuer» von Juden eingetrieben wurden. Ich möchte wohl den Schleier über diese 'Angelegenheiten werfen, aber ״die Weltgeschichte ist das Weltgericht". Ich sagte, sie waren in Böhmen am drückendste», und allerdings verhielt es stch so. Unsere alte» Wei« sen »»utben bereits nichts Gutes einem!Zöllner! zu-, damals waren es römische Steuereinnehmer, hier aber übten Juden gegen Inden eine kaum glaubliche Härte. Im vollen Sinne des 'Wortes nnisste der 'Arme für de» Reiche» zahle»; das allein jedoch genügte nicht, die Steuereinnehmer bereicherte» siel) noch dabei. Unwillkürlich denke ich an die Jabel, die der Midrasch erzählt, wo das Eise» vom Golde gefragt wird, warum eS so jämmerlich lärmt, wen» es gehämmert wird; und daS Eisen erwidert: Mich schlägt mei» eigener Bruder und das schmerzt mich so sehr. Ich habe diese Thatsache aus zweifachen» Grunde nicht verschweige» »volle». Ich »vill damit demjenigen Theile des Publieiims, der in neuester Zeit de» Muth »vill sinke» lassen, einen Trost bringe»: ״Es schläft u»»d schlummert nicht der Hüter Israels". Andererseits aber will ich daraus Hinweisen, daß unsere Zeit nicht so schlecht ist, wie man sie verschreien »vill. Wir sind überzeugt, es würde heute jeder Jude mit Entrüstung ein Amt von sich weisen, das man .früher als ein Ehrenamt betrachtet hat. — Es ist dies ein moralischer Gewinn, der so manchen sonstigen Nachtheil ersetzt.

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