Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 4)
- Language
- German
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144 Briefe aus Wien. gelingen würde (?); es würden die Juden treu im Glauben bleiben, wenn auch dieses Band durchschnitten wäre — die lyrfabnuuj zeugt dagegen —: wer ist es aber, der es wagt anzuratbeu, daß mau erverimentire? Erperimente stellt man mit (Kadavern au, nicht aber mit lebende!! Personen, viel weniger aber nut ganzen Generationen. Am allerwenigsten glauben wir, werden diejenigen die Hand dazu bieten, die dazu berufen sind eine jüdische Gemeinde zu leiten (wir schweigen von Rabbinern, Predigern, Religionslebrern -re.), mögen sie aueb sonst welche Anstchten immer über Religion im Allgemeinen und über Indentbum insbesondere baben. Ich konune nun zu der Frage über jüdisebe Volks- oder Hauptschule. Die Cyinen geratben eben so sehr in Aufregung, wenn man für dieselben spricht, wie die Andern, wenn man gegen dieselben ist. Ich will versuchen, mich ganz objeetio in dieser allerdings wichtigen Frage zu balten. Es wird Niemand in Abrede'stellen, daß in einer jüdischen Volksschule weit mebr zur Belebung des indisch-religiösen Gefühles ge sei, eben könnte, als biober geschah. Der spärlich crtbeilte Religionsunterricht, der, U'ie die Verbältnisse jetzt bestellen, nicht ans ein größeres Zeitnraß ausgedebnt werden kann, ist beinabe alles, was für die Religion gcschiebt. Das Hans kräftigt in den seltensten Fällen dieses Gesübl, und in den Scbulen, wo die anderen Gegenstände erlernt werden, webet ein katbolischer leerst, da selbst die Lesebücher katlolisch sind. Als zweiter Punkt, der für die Errichtung einer jüdischen Volksschule bier spricht, ist der Umstand, daß im Ganzen weit mehr gelernt werden könnte. Wie aus oeonomisebem Gebiete der Einzelne besser aus das Gedeiben seines Gutes sebeu kann, als der Staat, wenn er große Gütereomplcre hat; so kann auch eine Gemeinde mehr Sorgfalt einer Schule zmvenden und sie nach Außen und Innen besser stellen, als wenn dieses vom Staate ausgebt. Nun aber kommen die Schattenseiten. So wichtig, so bedeutend auch die religiösen Interessen sind, so legt mau doch sehr den Ton auf die socialen Verhältnisse. Man bält das Iudenthum, das zu wiederholten Malen die traurigsten Erfahrungen gemacht, für so fest und sicher, daß man die äußern Einflüsse für unschädlich erachtet. Es ist gewissermaßen den Herren von Jugend auf eingeimpft, alles andere für Verkehrtheit zn balten; und sie vergessen, daß bei der jetzigen vorfehlten, von der Religion wenig beeinflußten Erziehungsweise ein Tbeil der Heranwachsenden Generation, das Iudenthum selber für nichts DessereS halten wird. Man fürchtet also das Eindringen nachtheiliger