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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 4 · p. Seite 145

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 4
Article
Briefe aus Wien
Date
1856-01-01
Page
Seite 145 (sequence 5)
Language
German
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Briese au$ Wien. 145 Moinentc von Außen in dieser Beziehung »licht. Was man aber aller--- dings befurchtet, ist, daß eine Sonderung und Scbeiduug eintreten könnte, die bisher nicht bestanden hat. Da und dort fand es sich trotz aller Gehässigkeit, die öfters sogar von den Lebrern gebegt und gepflegt wird, daß jüdische und christliche Binder Freundschaftsbündnisse schlossen, die in» Mannesalter noch stark und kräftig blieben. Durch eine besondere jüdische Schule würde man diese Verbindungen in» Vorhinein Verbinder»». — Zu diese»»! Bedenken geselle»» sich noch andere, von denen ich zunächst nur eins ansüb reu »rill. Es ist hier nicht Sitte, daß man Binder aus bessern Häusern in die öffentliche Sebule schickt, »ras durch die bisher im All gen» einer» geringe Stufe der Volksschulen einigermaßen »notivirt erscheint. 311m Tbeile aber liegt es in de!» örtlichen Verhältuisseu: in den» Wirrwarr der Straßen, dem Gerassel der Wagen und dem Meuschengcwüble »rollen es Eltern böebst selten »ragen, ihre Binder allein in die Schule geben zu lassen. ES ist daher zu crirarten, daß die jüdische Schule zunächst von Bindern armer Eltern besucht werden »vird, da herrscht aber gewöhnlich ein Zustand der Verwahrlosung im Gang und Anzuge, in Sprache und Ausdruck; unter den christlichen Bindern nehmen die jüdischen Kinder durch das gegebene Beispiel maucke heilsame Reform an sich vor. Bestehet eine Iudenschule für sich, so »vird dieser Nebelstand allein einen furchtbaren Kampf von Seiten des Lehrers erfordern. — ES sind dieses allerdings Momente, die nicht übersehen »verden dürfen"). Indessen dürfte man kaum dem entgehen können. Die Behörden dringen und drängen daraus. Man »vill von oben her ü tout prix die Religionen, die geduldet »verden, in vollem Maße gekräftigt »rissen, und will gleichsam dadurch zeigen, in »velcher Weise man daö Eoneordat auffaßt, »velcheS ein hiesiges halbofficielleS Organ ein ״Familienerejgniß"?) Aber nicht geivichtig genug, um nicht dem Neligionsmomcnie, das, »vie der (Korrespondent früher mittbeilte, durch den in Felge des EoncordatS in den Schulen herrschenden exclusiv katholischen Geist bedrohe» ist, eine prävalirendc und endgültige Berücksichtigung einzuräumcn. Erivägen »vir noch hierzu, daß das religiöse Gefühl des Kindes durch den Besuch des Gottes- Hauses gefördert, durch das Einleben in die religiösen Ruhe- und Festtage gestärkt »vird, das Eine aber »vie das Andere, »vie ebenfalls der Korrespondent in den früheren Briefen hervorhob, bei dem Besuche christlicher Schulen nicht ermöglicht »verden kann, so verlieren diesen! gegenüber jene Momente ihr ganzes Geivicht; und es kann, »ver ein offenes, tiefer blickendes Auge und ein warmes Gefühl für die väterliche Religion hat, nur eine jüdische 'Volksschule »vünschen. Wie traurig, daß, »vie »veiter berichtet wird, die Negierung hierzu drängt und sie die moderne Oberflächlichkeit beschämt! D. Red.

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