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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 4 · p. Seite 143

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 4
Article
Briefe aus Wien
Date
1856-01-01
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Briest aus Wien. 143 Betreff der Aeligionsschule und einer jüdischen Volks- oder Hauptschule überhaupt. Der neu anznstellende Prediger wird sieb beim Unterrichte betheiligen. Es wird das einerseits dadurch notbwendig, um den großen Veamtenstand der Gemeinde so viel als niöglich zu vereinfachen׳, anderseits aber, um so zu sagen den zweiten Prediger genügend zu beschäftigen. Es kann übrigens nur von Nutzen sein, wenn der Prediger, der aus der Kanzel zunächst zu den Erwachsenen spricht, Gelegenbeit hat, die Jugend kennen zu lernen. Man bat hier, wie bereits bemerkt, däS Prineip sestgcbalten, daß die Blbel in der Ursprache als obligater Gegenstand des Religionsunterrichtes gelehrt wird. Allerdings hat dies da und dort auf Widerstand gestoßen und stoßt noch daran. Ich hörte sogar jüngst von einer geistreichen Dame, die sich anfGutzkow bezog, der gegen das Studium der alten Klassiker im Originale ankämpft. Er meint nämlich, daß man Homer u. s. w. eb.n! so gut in einer guten Ucbersetzung lesen könne, er gewäbrc als Bildungsinitrel den nämlichen Nutzen, und es sei Schade um die Zeit, die unsere Jugend in der Erlernung dieser todten Sprachen vergeudet. Dasselbe wollte diese Dame ans die Blbel in der Ursprache angewendet wissen 1). Ich sprach da von einer geistreichen Dame, die mir diesen Einwurs inachte. Sie werden vielleicht fragen, ob sieb hier die Damen niit diesen Angelegenheiten befassen, ob dies nicht mebr Angelegenheit der Väter sei, und da muß ich es Ihnen allerdings als Ebarakterzng unserer Verhältnisse bezeichnen, daß die Mütter hier weit mebr Einfluß ans Bildung und Erziehung der Kinder üben, als die Vater. Hirt-, zufügen kanit ich, daß die Dinge deshalb nicht ärger sieben. Es ist überdies ein Glück, daß cs so ist, sonst würde der Unterricht ganz brach liegen. Die Herren tragen dw nächste Sorge um das Geschäft, und es würde noch viel kläglicher bestellt sein, wenn die Frauen nicht das Ihrige beitragen würden, tim der gänzlichen Bersallenheit Schranken zu setzen. Doch ich muß zurück zu obigem Einwurfe. Ohne mit Herrn Gutzkow einen Federkrieg eingehen zu wollen, ist zu bemerken, daß die Bibel in der Ursprache nicht für uns Juden gleichbedeutend ist mit den Klassikern in der Ursprache, insofern sie als Quelle der Bildung dienen. Die hebräische Sprache ist das einzige Band, das die GesainntLbeit der Juden verbindet. Es ist möglich, daß das Experiment I) Der ״Kampf" Gutzkows zeigt Jedem, der nur einigermaßen mit der klassischen Literatur bekannt ist, gerade keinen großen.Reichthum an kritischem Geschmack, und die Analogie auf das Bibelstudium mag nur im Munde einer Dame als geistreich gelten. D. Red. 11

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