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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 4 · p. Seite 142

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 4
Article
Briefe aus Wien
Date
1856-01-01
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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142 Briefe aus Wien. Nachdrucke, der uns zu Gebote siebet, darauf hinzuweisen. Eines Wimschen wir dabei besonders zu beachten; ist einmal die Theilung und Spaltung zum Durebbruche gekommen, dann!aßt sich nicht mehr bestimmen, wie vielfach jeder einzelne Tbeil sich aufs Nelle theilt und spaltet, Läßt man einmal den Geistern, die jetzt gleichsam in einen ftmä gebannt sind, die freie Waltnng, dann kann Niemand bestimmen, wo llnd wie das enden wird. Wir müssen dabei noch auf einen Punkt die Aufmerksamkeit des Lesers lenken. Die Wiener israelitische Eultnsgemeinde ist seit dem Jahre 184S zu einer der ansebnLichften, in Betreff der Seelenzahl, des Kaiserstaatcs und überbaupt von ganz Deutschland herangewachsen. Man würde jedoch sel׳r irren, glaubte man, daß diese neuen Elemente, insofern sie zur Geltung kommen, etwa die sogenannte fortschreitende Partei vermehrt babeu; sie erdrückt im Gegeutbeile beinahe alle diese Bestrebungen. Dazu kommt noch: Das sogenannte Predigeramt bildet hier gleicksam eilte Anomalie. Bor etlichen dreißig Jahren war cs ein seltenes Ereigniß, daß ein Mann, dem das deutsche Wort zu Gebote staild, so daß er Prediger zu sein vermochte, sich auch zugleich aus jüdischem Gebiete beimiseh fand, das Amt und die Functionen eines Rabbiners (~0? אי~רד ר־־\ה.) auszufüllen im Stande lvar. Wenn cs unserin Manllbeimer gelang, daß mau auf sein Wort in religiösen Fragen sowohl bei den Behörden als bei den jüdischen Gemeinden hörte, so lag dieses eben in der besonder»! Begabung dieses Mannes. Jetzt sind die Dinge anders geworden. Der Mann, der diese Stelle einnehme»! wird, kann nickt erst abwarten, bis es ihm gelunge»! ist, sich das Vertrauen in dieser Beziehung zu erwerben; »nan must es ihm im Vorhi»»eiu geben können. Diese Anomalie kann unmöglich so fortbestehen, und zwar würden »vir glauben, daß »nan diesen» Nebel jetzt schon die Spitze abbreeben »nnsse. Wir baben jetzt hier einen Rabbiner, und es werde»! in Zukunft zwei Prediger srmgiren. Wie »väre es nun, wenn »nan einzeln»veise dazu anbah»!en »vürde, ein Nabbinatscollegium zu bilden'/— Es sind die Differenzen hier unter den verschiedenen Parteien noch nicht so groß, daß die Kluft nickt auszufüllen »väre. — Ich habe da rulr einen Theil der Frage berührt, und es ist leicht zu erkennen, »vie »vichtig sie für die hiesige Gemeinde und respective für den Kaiserstaat ist. Möge daher ein günstiges Geschick uns den rechten Mann für den Posten senden, daß kein Mißgriff die Entwickelung der hiesigen Ge- »nei»»deverhältnisse, die zu vielen Hoffnungen berechtigt, störe. In enger Verbindung mit der Predigcrfrage stehet die Frage in

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