Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension] / -n-
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rccenfionen und Anzeigen. 117 sie der Fassungskraft seines Lesers zugänglicher zu machen, stand er nicht an, ״dein goldenen Kern eine glänzende Präge zu geben, und die Wahrheit ungeschmintt und jugendlich schön erscheinen zu lassen." Die Lösung dieser Aufgabe ist dem Vers, meist geglückt, wir hätten aber gewünscht, daß ihm dies überall gleich gut gelungen wäre. Der Verfasser scheint oft von dem reichen Schüße von Wahrheiten, der sich seinen Betrachtungen in den Tendenzen dieses Traetatcs bietet, über« wältigt zu werden, und sein Bestreben, diese Fülle ebenfalls in Kern« sätzcn wiederzugeben, hindert ihn nicht selten, einen tieferen Gedanken in präciser, abgeschlossener Durchführung zu entwickeln; er gibt uns statt dessen Sätze, die allerdings den Grundgedanken erkennen lasse», aber mehr an einander gereiht, als aus einander hcrvorgegangcn sind. In manchen Partiten sind die Homilieii nickt mebr, als ein weitläu« figes Naisonnement, das aber der gediegenen Präeision dieser Llernsprüche Gintrag thut; denn sie weit auSdehnen, beißt nicht ihren tiefen Gehalt erkennen lasse». Dies muß für den Leser, für welchen der Verfasser eigentlich sein Werk bestimmt, störend sein, da der gebildete Privatmann, der eine Sabbatstunde der ernsten Betrachtung widmet, nicht in eine Fluth von Gedanken will geworfen werden, sondern zufrieden ist, wenn er einige Wahrheiten, die ihm von den prägnantesten Seiten gezeigt sind, ersaßt hat, und sic durchdenken und zu seinem Eigenthuine machen kann. Der Homilie ist es allerdings gestattet, sich freier zu bewegen, als die Predigt; sie hat nicht ein Thema streng durchzuführen: aber die Grundgedanken der einzelnen Betrachtungen müssen transparent sein, ohne zur ermüdenden Weitschweifigkeit zu werden; und immer ist es künstlerischer, etwas Ganzes in einer schönen Gruppirung zu schaffen, als in Einzelheiten sich zu verlieren. Dieser Uebelstand wird an man» chen Stellen durch die übermäßige Häufung von Eitatcn veranlaßt: mäßig, un^ am rechten Orte angebracht, verleihen diese, wie dies Werk selbst an vielen Orten zeigt, der Darstellung immer einen eigenen Reiz: übermäßig ermüden sie, oder verhindern den Gedanken zu verfolgen. (Wir verweisen hier u. A. aus S. 156• flgd.; S. 390 flgd.) Mi« draschstellcn und talmudisch« Deutungen hat der Verfasser mit Geschick angebracht; und solche Pointen verfehlen gewiß nicht, einen günstigen Eindruck zu machen (so u. A. S. •43 שכירות אינה טשחלטת אלא בסופה); der Vers hätte nur manchmal, was in Homilien so oft mit Glück benutzt werden kann, diejenigen Tendenzen, welche eine midraschische Auffassung zulassen, schon um seinen Darstellungen den Reiz der Ab« Wechselung zu verleihen, an den Midrasch anlehnen sollen, fo daß dieser als der Rahmen des Bildes erschiene, welches der Redner entwirft.