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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 3 · p. Seite 118

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension] / -n-
Date
1856-01-01
Page
Seite 118 (sequence 4)
Language
German
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118 Recensionen und Anzeigen. Solche Bilder prägen sich dem Geiste des Lesers oder Zuhörers tiefer ein, als abstrakte, niel't Jedem faßliche Ideen: sie geben ihm einen Faden, der ihn auch durch ein Gedankenlabvrinth zu leiten im Stande ist, der aber gewöhnlich mebr noch den Redner davor schützt, sich in. ein solches Labyrinth zu begeben. Sonst sind die einzelnen Homilien reich an trefflichen Gedanken, an überzeugenden, durch LebenSersabrung erprobten, der Beherzigung wcrthen Wahrheiten. Zuweilen hatte sich allerdings der Vers, mit Rücksicht auf die Anschauung der Gegenwart eine größere Freiheit erlauben dürfen. So z. B. ist cS etwas komisch, wenn in der schönen Homilie I'. 5. M. 21 dem achtzehnjährigen — im kälteren Norden von der Natur noch lange nicht mündig erklärten ^— Jünglinge, nach dem — frei!ich für den Orientalen gültigen — Wort-- laute der Mischna das Glück des Ehelebens geschildert und ihm gesagt wird, daß, ״wer zwanzig Jahre alt geworden, ohne eine sittliche Bezichung zu einem edlen Weibe sich geschaffen zu haben, sein Leben mit Sünden arg beflecken kann." Der Verfasser hat sich bestrebt, die einzelnen Mischna'S für seine Betrachtung, als durch ein logisches Band zusammcngehaltcn, darzustellen. In halachischcn Tractatcn ist das Ermitteln eines solchen logischen Fadens, wenn auch mitunter sehr schwierig, doch stets von der größten Wichtigkeit; in Abot aber sind eben Perlen an einander ge« reiht, und wenn auch öftere Gruppirungen in den Perakim klar vor Augen liegen, so ist es doch nicht nöthig — und dies. hat der Bcrf. selbst in der Einleitung anerkannt — überall einen strengen Zusam« menhang zu suchen. Dem Verfasser ist das Anknüpfen der einzelnen Mischna'S an die vorhergehende meist gut gelungen; manchmal aber erschwert ihm dies Anknüpsen unnöthigcr Weise den Uebergang in ein neues Thema. — Bei den Eitatcn aus der Bibel, dem Talmud und Midrasch, wo der Vers, als fleißiger und geschickter Gärtner eine reiche Blumenlcse gehalten hat, wäre es wünschenswcrth gewesen, zuweilen eine genauere Angabe der Quellen zu finden; wer nur Dilettant in diesem Gebiete ist, sucht sich gern zu überzeugen, ob er eine Stelle ebenso auffaffen würde, wie er sie im Eitate gedeutet findet. — Manche Eigcnthümlichkeiteu im Ausdrucke, z. B. die Compositio« nen: Hochzweck, Hochbcrus, Hochgefühl, Hochbegriff, Hochgedanken werden, zumal in zu häufigen Wiederholungen, lästig. Diese einzelnen Mängel können jedoch nicht hindern, diese Erscheinung recht freudig zu begrüßen. Wir müssen dankbar aufnehmen, was mit dem Eharakter des leidenschaftlosen GlaubenSeiferS auftritt; und find dem Derf. sehr verpflichtet, daß er den schönen Zweck hat.

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