Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Proben aus einer "Zoologie des Talmuds"
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 4)
- Language
- German
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114 Wissenschaftliche Aufsätze. verschiedenen SpecieS bezeichnen. — lieber die gesellige und versassungsmäßige Lebensart dieser Thiere gibt der Talmud unter der Form einer Fabel mehrere Aufschlüsse. Da die Ameisen, heißt es dort, mehr den Schatten als das Sonnenlicht lieben, so breitete man mitten im Sommer eine Decke über den Ameisenbaufen, so daß der Schatten auf denselben fiel; alsobald kam eine einzige Ameise hervor, und kehrte, nachdem fie fich von der Anwesenheit des Schattens überzeugte und von dem Zuschauer auf irgend eine Weise loielleicht durch Besprengen mit einer weißen Farbe) gezeichnet wurde, zurück in den Hausen, worauf sogleich die Ameisen in Masse hervorkamen; jetzt bob man die Decke aus und die enttäuschten Ameisen fielen über die vermeintliche Verrätherin her und tödtctcn sie.׳ Hieraus nun will der Talmud die Nichtigkeit des salomonischen Wortes (Spr. Sal. 8, 7) erkennen, daß die Ameisen keinen Herrscher baben, denn sonst würden damals die Ameisen obne Erlaubnis desselben die Derrätberin nicht getödtet baben (Ehulin 57 b). Entkleiden wir diese ausgeschmückte Darstellung ihres bildlichen TbeileS, so ergeben sich folgende naturbistorische Momente: Die Ameisen lieben schattige Platze, sie leben vcrfassuugsmäßig, aber ohne Oberhaupt, was in der Tbat seine volle )Nichtigkeit bat. Die Ameisen leben gern auf waldigen, oder sonst von Bäumen beschatteten Plätzen; fie haben, wie Aristoteles (N. G. I, 1, 11) ausdrücklich sagt, nicht wie die Bienen einen Herrscher unter sich, sondern treiben bloS gemeinschaftlich ihr Geschäft und leben verfassungsmäßig. — Beim Herbeischaffen von Vorrath beraubt keine die andere, weSl'alb die Ameise als Vorbild der Ehrlichkeit dem Menschen ausgestellt wird (Erubin 100b). Ihr Nutzen in medicinischcr Hinsicht (Sabbat 77 b u. Iebamot 78a^) wird reichlich durch den von ihnen entspringenden Schaden ausgewogen. Sie beißen die Halme dicht am Boden ab und verschleppen dann das Getreide (Menachot 71b); ihre Schädlichkeit ist überhaupt so groß, daß die Vernichtung deren Haufen sogar an den Mittelfeiertagen gestattet ist (M. Katari 8b). Ihre Vertilgung wird dadurch bewirkt, daß mau Talmud spricht daher nur von den Letzteren; daß er übrigens mehrere SpccieS kannte, gebt schon daraus hervor, indem er שומשמנא als Bezeichnung irgend etwas Kleinen aufstellt (Ketubot 75a), und an einer andern Stelle von der h*?w שומשנא der großen Ameise spricht (Icbamot 70a; nur hier ist die abweichende Schreibart des Wortes selbst zu bemerken). 2) Ueber den ausgebreiteten Gebrauch der Thierwelt in medicinischcr Hinsicht bet den Alten bandelt der allgemeine Lheil obiger Zoologie ausführlich; hier sei nur in Kürze über die alte Heilmethode überhaupt auf Tos. zu M. Katan Na 8. ־v. כוזרא und aus Ture Sahab zu Jor. Dea §217״, lit. 7 verwiesen.