Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Briefe aus Österreich
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 4)
- Language
- German
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Briefe aus Oesterreich. 97 Pcccatur intra et extra! Zn einem Punkte fehlen unsere סן* genannten Reformer, wie unsere Orthodoxen. Weder die (yincu »och die Andern stehen in der Regel auf festem Boden. Im praktischen Leben läßt sich nicht blos mit Theorien wirthschasten. Die crsteren nun deinonstriren in den Juden, wir schweigen von Iudentbum, alles waö ihnen beliebt. Alles das was dem Juden heilig ist, worin er von Jugend auf gelebt und gewebt hat, wird als profan erklärt, U'fil' cs den Herren selber als prpfan scheint. Dafür aber wird alles mit einem Heiligenscheine umgeben, und als Keduscba erklärt, was sie für heilig halten. Wiie wenig sich aber eine Religion constrnire», machen läßt, brauchen wir wohl nicht erst nachzuweise». Die Andern hingegen wollen um jeden Preis nicht den Kranken, sondern die Krankbeit heilen. Sie habe» nicht den Juden von heute und die jetzige Zeit vor Augen. Sie wissen und kennen nicbts anderes als den Inden, wie sie sich ihn denken, wie er vor einem Jahrhundert oder vor mehreren Jahrhunderten gelebt hat oder gelebt haben mag. Daber kommt es, daß zwischen Rabbiner und Gemeinde so selten ein Band vorhanden ist, das sie einigen würde. Das gegenseitige Verständniß fehlt 1ל. Roch ein anderes Nebel aber hat der erleichterte Berkehr dem religiösen Leben gebracht. Groß und Klein ziehet nach großen Städten, um da seinen Geschäften, seinem Berufe nachzugehen. — Große Städte habe» eine gleißende glitzernde Außenseite, und dieses wird vor Allem nachgeahmt. Man führt selber ein gleißendes glitzerndes Leben. Es fällt uns nun nicht etwa ein zu wünschen, daß aller Fortschritt im socialen Leben zu Gunsten der Religion aufhöre. Wir haben vielmehr die Uebcrzcugung, daß bei dem allgemeine» Fortschritte auch aus diesem Gebiete die Formen sich klären und reinigen. Wir wollten nur dadurch die Herren Rabbiner, Prediger und Lehrer aufmerksam gemacht haben, daß sie den Nebeln einerseits entgegenarbeiten müssen, anderseits aber, daß sie vor Allem sich selber über die Verhältnisse der Gegenwart klar werden.!) Die Aufgabe des Rabbiners ist, das fromme Gefühl warm zu erhalten, daß wer auch nicht zic den Herkulessen gehört, sich wenigstens sage, er sei nicht der Starke. Und hierin werden Gemeinde und Rabbiner, so dieser einen wahrhaft frommen Lebenswandel zeigt, sich einigen, und der Rabbiner hat. hierdurch viel gethan, er hat das Bewußtsein d«S Bessern lebendig erhalten. Die s. g. Reformatoren םצדיקי haben , sie müssen wenn sie redlich sind eS gestehen, nur dem JndiffcrentismuS in die Hand gearbeitet: und befinden sie und Gemeinde sich aus gleichem Standpunkt — dann sind beide zu bedauern. D- Red. 8 Seantel, MenalSschrlst. V. 3.