Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Briefe aus Österreich
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 3)
- Language
- German
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96 Briefe aus Oesterreich. Gebote stehen, die im Ganzen mit hervorragender Intelligenz begabt sind, zuin Nachtbeile der andern Bevölkerung dieses Recht bcnntzcn werden. Gs wäre daher besser, daß die Negierung die vollständige Gniancipation der Juden gewähre. GS wurden sich dadurch die hervorragenden Kräfte, statt aus Kimm Gebiete sich zu concentriren, in mannigfacher Weise sich verstreuen und dadurch zum Heile des Ganzen wirken. — (y$ bat uns diese Ansicht um so mehr gefreuet, sie von der Olmüger Kammer ausgesprochen zu hören. Man riibmt sonst de» Herren nicht irach, daß sie sebr judenfrenndlich gesinnt sind. Die Handelskammer z» Brunn befürwortet vollständig die Gmancipation, und gibt sich der Hoffnung bi», das! diese Frage dadurch vollständig gelöst ist. Nachdem ick Jbnen hier das Wichtigste, was die österreichischen Juden auf politischem und nationalöconomisckcm Gebiete bewegt, mitgetbeilt habe, erlauben 2u׳ mir noch im Allgemeinen ein Wort über die religiösen Bcrbältniffe zu sagen. Gs ist keine Frage, daß das Gisenbabnwesen, der erleichterte Vcr« kehr dem religiös-eeremoniellen Leben bedeutenden Abbruch gctban haben. GS ist ein Lag n. a. m. 22תובי dx'Lצ־כי ״, der sieh bis auf de» heutigen Tag bewabrt. Wo die Goneurrenz nun so massenhaft ist. drängt Jeder zu, muß Jeder zudränge». Wenn die Zeitung eine wichtige Nachricht bringt, wenn der Telegraph ein Weltereigniß mitthcilt, da will Jeder den sich daraus ergebenden Vortbeil genießen, und vor dem möglichen Nachtheil sich wahren. (>s ist allerdings sehr lobenSwerth, wenn Gincr aus Glaubcnstreue die leizten Gonsequenzen eines religiösen Gebotes beobachtet. Wir wisse» aus vollem Herzen solchen Muth zu würdigen. Wir können aber nicht den Stein aushebei, gegen Den, der daS Glück seiner Familie nicht einer letzten Konsequenz, einem שבות דשבות opfern kann. Wir hoffen, der gcebrte Leser wird uns nicht mißversteben, und unsere Meinung dahin auslegen, als wollten wir, wovor uns Gott bewahre, dem Glaubensbruch das Wort reden. Wir wollen nickt vcrtbeidigen, wir wollen blos entschuldigen. Und allerdings ist es zu entschuldigen, wenn Jemand kein Herkules ist. Wir preisen den, der es ist; wir können es aber nicht fordern, daß Jeder ein Herkules sein müsse. Wir erlauben uns bei dieser Gelegenheit einen Punkt im Allgemeinen, der uns sehr am Herzen liegt, zu berühren. Diese Zeitschrift hat den Zweck, die Kenntniß und die Wissenschaft des JudenthumS zu fördern. Wir glauben daher, nicht ein Merkmal in religiöser Beziehung übergehen zu dürfen.