Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 2 · p. Seite 69

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1856-01-01
Page
Seite 69 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2829132-2829192-2829195-2854182--02736-2854233
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Recensionen und Anzeigen. 69 Phokyl., wenn cs sich ergeben sollte, daß er selbst kein Hellene gewesen, sondern demjenigen Volke angehört habe, dessen Tugenden und Fehler nicht aus der farbenwechselnden Versatilität, sondern aus der entgegengesetzten Eigenschaft, aus der zaben Unbeugsamkeit entspringen — demjenigen Volke, an welchem von jeher seine Propheten das unlenksame Wesen beklagen!nutzten, das aber dafür auch, als Volk wenigstens, durch Jahrtausende seine Charakterfestigkeit bebauptet hat." -- Die Stellen, die für einen heidnischen Phokyl. sprechen, sind also paralysirt; und cs bleibt, da das Abbolen der bibl. Stellen auf einen Monotheisten weist, zu untersuchen, ob Phokylid. dem Christentbum oder dem Judenthum angehört habe. Ersteres wird negirt, da das Gedicht keine eigentlich christliche Redeweise noch irgend, eine Beziehung aus das N. T. hat: einige Stellen, die man als christologisck ansah, sind entweder Glosseme frommer christlicher Leser, oder corrumpirt; und wir heben B. 14 hervor: Tuap'Ssvfyv TYjpdv, mcriv hi iizi tzolci 9'jXaa0£tv. Dieser L. befindet sich im Zusammenhänge mit Versen, die von Gerechtigkeit, und von Treue und Glauben im geschäftlichen Leben sprechen. Wie mochte sich hierher, fragt Herr B., TtapjW7]v ״die Jungfräulichkeit bewahren" verirren? Er liest daher (S. XVII) 7:ap<2sc?//jv TYjpeiv ״das Pfand bewahren", ־rcap^cfy ist das dem Hexameter anbequemte 7:apa^sa{a, welches soviel bedeutet wie Trocpocx^'rexÄ'rjXTj und 77apa^x7}, wie die Sept. פקדון übersetzt. — Herr B. kommt nach einer weitern Besprechung dieses in den Sybitlinen aus dem Phokyl. abgeholten und dort vorsätzlich corrumpirten V. zu dem eigentlichen Kern, der Analyse des Phokyl. Gedichtes und seinem fast sclavischen Halten an den pentat. Gesetzen. Phokyl. will, bemerkt Herr B. (S. XXI ff.), nur die Verstandesgesetze Hervorbeben: was mit dem Souderwesen der jüd. Nation sowie mit dem Rituellen zusammenbangt, har er streng ausgeschlossen. Er beginnt also V. 3—7 (B. 1. L sind, wie leicht zu erkennen, das Encomium eines byzantinischen Abschreibers, S. XXXII. Anmerk.) mit den Geboten K—10 des Dekalogs. Erstes und zweites Gebot gegen den Götzendienst, ferner das Sabbatgebot, sind nach dem gedachten Principe ausgelassen; das Gebot der Elternliebe und über den Meineid nahm Phokyl. zu den Geboten K. 19 des Levit., das von jeher als ein Gegenstück des Dckalogs angesehen wurde, hinüber. Und da ist in der That frappant, wie Phokyl. fast unverkennbar die Gesetze dieses Kap. — insoweit sie nicht rituellen Inhalts sind — ausschreibt. Herr B. liefert über diese und andere Stellen schlageude Nachweise, und ist dieser Theil der Abhandlung zu interessant, als daß wir ihn exeerpircn möchten. Eine Frage dringt sich hier auf: für wen schrieb PhokylideS? Frankel, Monatsschrift. V. 2. 6

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.