Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die philosophische Bedeutung der Vierzahl
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 4)
- Language
- German
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58 Wissenschaftliche Aussätze. V. Nun ist aber die Zehnzahl in den ersten vier Zahlen schon mbegriffcn, denn 1, 2, 3, 4 zusammenadirt ist — 10. — Die Vierzahl (Tetpaxxug) war den pythagoräisch - platonischen Schulen daher über Alles heilig und ehrwürdig. Wie man aus den vier Elementen Alles entstehen und bestehen ließ, so schien die Vierzahl als erstes Quadrat, und zugleich als erste körperliche Zahl (das Tetrandron mögen competentcre Richter ibr endgültiges Urtheil fällen. Soviel aber ist gewiß, daß jene Zahlenlebre auf die Anschauungsweise dieses Buches einen mächtigen Einfluß geübt hat. Auch der dem Leser Iezira zu Grunde liegende Gedanke ist es, daß die in den Naturerscheinungen waltende Ordnung, Zusammcnstimmung und Zweckmäßigkeit durch Zahl und Maß dargestcllt werden könne. So faßt es Kusari IV, 25, auf: ״Unter Sefar ist verstanden das Ebenmaß und die Symmetrie der erschaffenen Dinge, denn die Berechnung, in Folge deren Harmonie und Bcrhältniß in die Dinge kommt, und sie zu dem Zweck für den sie geschaffen wurden geeignet werden, ist nur in der Zahl. Längenmaß, Hohlmaß, Gewicht, das Verhältniß der Bewegungen, die Harmonie der Musik — alles ist in der Zabl, d. h. im Sefar." — Die Zahl ist nach dem Buche Iezira eine Art Teleologie, die sich durch das ganze Natursvstem hindurchzie.hr. und zum obersten Princip aller Zahlen, zur absoluten Einbeit, d. i. Gott, hinführt. — Während jedoch das vollständige pythagoräischplatonische Tonzahtensystem, als Symbol des von der Weltseele belebten und bcberrschten Kosmos, aus 30 einzelnen bestimmten arithmetischen Gliedern <opot) bestand, gibt es da, im Buche Iezira, 32 wundervolle Weisheitsbahnen, nach denen Gott die Welk geschaffen ... .כשלשים ושתים נתיבות פליאות חנמר. חקק יד ־־^ .וברא את עולמו Die Dreizahl jedoch, die Sicbcnzahl und vorzüglich die Zehnzabl spielt auch da eine höchst bedeutsame Rolle. Wir bemerken hier nebenbei, daß das Problem, warum das von jeher allgemein herrschende Zahlensystem eben das dekadische ist (und wodurch Kusari I, 50 die Erschaffung der Welt und die Abstammung von Einem Menschenvater erweisen will), im Buche Iezira ganz einfach gelöst wird עשר ספירות בלימה במספר עשר אצבעות — so hat auch der Franzose Eondillac in seinem Werke La languc du calcul die allgemeine Uebcreinstimmung des Zählens bis 10 durch die zehn Finger, an denen man Anfangs allenthalben zahlte, zu desinircn gesucht (vgl. Luzzarto, ])ialogues sur la Kabbale p. 17). — Herr 1)1׳. Gräh. in seiner bekannten geistvollen Schrift über den Gnosticismus, die für den Vers, des gegenwärtigen 'Artikels eine lehrreiche Anregung ward, findet in Iezira IV, Mischna 10, wo von der Bedeutung der Sicbcnzahl die Rede ist, die Schlußstelle לפיכך ה.5ב את השביעיות תחת בר השמים als kritisch wichtig, weil dieselbe wörtlich an einen Ausdruck Philo's erinnert: H cpucns rfj £1mx51 (Gnosticismus S. 115). — Jene Jezira-Mischna hat aber auch die größte Aehnlichkeit mit einer Stelle im Ialkut Schcmot pirka 276, anfangend: בל השביעיים חביבים למעלה. Nach dieser Stelle im Ialkut zu schließen, dürsten mit dem in der erwähnten Mischna vorkommenden Ausdruck שבעה ארצות nicht die sieben Klimata, sondern die in der Bibel gebrauchten sieben Bezeichnungen der Welt gemeint sein, denn so heißt es daselbst:. בארצות השביעי חביבה, אדן אדמה ארקא גיא צייר, נשייה תבל. —