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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 2 · p. Seite 54

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 2
Article
Briefe aus Wien
Date
1856-01-01
Page
Seite 54 (sequence 8)
Language
German
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54 Briese aus Wien. Erfreuliches und Erbebendes hat. Ein noch größerer Nachtheil liegt darin, daß die Zeit so schmal zugemeffen ist. Ein Schuljahr dauert zehn Monate, und eS empfangen die Schüler dlos drei Stunden in der Woche Religionsunterricht. In den Aolköschulclassen wird diese spärliche Zeit ganz dazu verwendet, die Stucke aus de!» Pentateuch in der Ursprache und das Gebetbuch, in neuester Zeit auch einige Hastaras historischen Inhalts und Abschnitte aus der Ethik der Rabbinen zu lehren. In den Realschul- und Gymnasialelaffen hingegen wird diese kurze Spanne Zeit — wöchentlich drei Stunden - - getheilt, zur Hälfte für den Bibelunterricht im Urtexte, und zur Halste für RcligionSlehre re. Rechne» Sie noch bin;«, daß die E.lassen etioas stark besetzt sind (und in diesen Elasten ist es mit dem bloßen Vortragen, wie vor Jüngern der Universität, nicht abgetban, da gilt es ושננתב לבניך), und der Lehrer kann mit dem besten Wille» wenig Dauerndes, Nachhaltiges leisten. Das hebräische Moment schwächt sich durch die wenige Uebung ab, und das deutsche Element kann eben nur ein Surrogat sein.. Wo gibt es aber ein Surrogat, das das wäre, was es sein sollte? Noch schwerer a>S alles dieses ist ein anderes Uebcl, das die jüdischc Jugend hart trifft. Ich hatte früher Gelegenheit zu bemerken, daß das hiesige religiöse Leben zumeist und zunächst blos im Gottesbanse ist. Irr Küche und Keller, in der Hausordnung 11. s. w. richtet sich Jeder nach seinem Bebagen ei», wenn ich auch gern zugebe, daß viel Pietät für die alten Sitten da und dort auch in dieser Beziehung herrscht. Die Jugend aber hat nicht einmal den Sammelpunkt vor Gott i»> Tempel. Es ist viel, wenn sie buchstäblich dem Worte der Schrift nachkommt שלש פעמים בשנה. Während des Schuljahres besucht sie die Lehranstalten, und die Lehrstunden in den Schulen sind in Eollision mit der Zeit des Gottesdienstes an Sabbaten, und in der Ferialzeit ist eben alles, was kann, auf dem Lande. Bedenkt man, welche Mittel in andern Kreisen angewendet werden, uni die Jugend in das Gotteshaus zu führen (in allen hiesigen katholischen Schulen ist vor dem Unterrichte Gottesdienst in der Kirche), bedenkt man ferner, wie die katholischen Schulen, und diese werden von der jüdischen Jugcnd besucht» von katholischem Geiste getränkt sind (das E.oncordat präcisirt dieses aufs Neue, daß in Volksschulen und Mittlern Schulen, Realschulen und Gymnasien im Sinne der katholischen Kirche unterrichtet werden »uisse, Abschnitt VIl), und man kann nur mit Betrübniß auf die religiöse Entwickelung unserer Jugend schauen. Der Ncligionsunterricht allein so spärlich erthcilt kann nicht das Haus und das Gotteshaus ersetzen. — Unter den obwaltenden Umständen kann es nur

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