Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 9)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsatze. 55 als geboten erscheine», für die Jugend einen Gottesdienst am Sabbat einznrichten, der nicht mit den Schulstunden in gleicher Zeit zusammen« fallt. Sonst können wir cs noch erleben, daß die jüdische Jugend in christlichen ׳Kirche» sich viel heimischer suhlt, als in jüdischen Gottes« Häusern. Gehet ihr dock schon ohnedicß, aus Mangel an praktischem Leben, das Verständniß des größten Thcilcs von dem, was im gotteS« dienstlichen Leben geschieht, ab. Neben der öffentlichen Religionsschule der Gemeinde bestehen einige Privat-Erziehungsinstitute und Lehranstalten für israelitische Knaben und Mädchen. Sie sind sämmtlich aus eigene Mittel angewiesen, und entwickeln im Ganzen ein löbliches Streben. Wenn sic es verstehen werden, dem religiös-wissenschaftlichen Gebiete einen größer» Raum zuzuweisen, da sic den Stundcneatalog nach eigner Einsicht ordnen, so dürfte ihnen das erschienene Concordat von Nutzen sein. Eltern, in denen noch ein Funke von Anhänglichkeit an den Glaube» der Väter lebt, werden dann doch zur Einsicht kommen, daß sie ihre Kinder in diesen Instituten besser versorgt haben. Noch hätte ich einer Privatanstalt zu gedenken, die durch Wohlthätigkeit erhalten wird. Es ist die חלטוד חודה - Schule. Es schwebt da der Zweck vor, die Kinder auch in Mischna und Gemara zu uuterrichten. Wir würden dieses Institut aus vollem Herzen begrüßen, da cs unser sehnlicher Wunsch ist, daß die Jugend zu kühnen Schiffern auf dem Meere des Talmuds herangcbildet werde. Leider entspricht die Einrichtung, die Anordnung der Art und Weise nicht dem Zweck?. Die Mißbräuche der alten Zeit, sind beibehalten, ״wie er sich räusperi, wie er sich schneuzt" u. s. w. Der Geist 1mt> Kern fehlt. Es ruhet daraus der Fluch separatistischer Bestrebungen und persönlicher Osten« tation. Wir wünschten, daß eine kundige verständige Hand, der das Interesse des Gegenstandes am Herzen liegt, ein solches Institut ins Leben riefe. Wissenschaftliche Aufsätze. Die philosophische Bedeutung der Bierzahl. Von A. Schmiedl, Rabbiner zu Proßnitz. Es war wohl schon ein höchst bedeutsamer Fortschritt der speculirenden Vernunft, als sie in der pythagoräischen Schule endlich zu der