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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 2 · p. Seite 52

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 2
Article
Briefe aus Wien
Date
1856-01-01
Page
Seite 52 (sequence 6)
Language
German
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52 Briese aus Wien. ES bewegen sich also die zwei Parteien neben einander. Und die zweite Partei, von der wir eben sprechen wollen, ist die conservative. die in zwei Lager getheilt ist. ES bestand nämlich srüber bloS eine polnische Schule nach orthodoxem RituS, die auch von Deutschen besucht wurde. Im Verlaufe der Zeit kam cS, das! die Deutschen diese ״Schule" zumeist erhielten. ES mußte ihnen daher ein Recht darin eingeräumt! werden. Doch bald entstanden Minhagimstreitigkeiten, und sie trennten j sich von einander. Die Deutschen von der orthodoxen Partei kauften i ein HauS, worin sie einen Betsaal babcn, und die Polen haben eine! gemiethcte Localität, wo sie sich zum Gebete versammeln. Die Differenzen j sind so kleinlicher unbedeutender Art, daß sie kau»! Differenzen zu nennen sind. Beide Parteien wollen den alten Ritus; beide wollen Ordnung und Nnhc während dcS Gottesdienstes. Beide haben gleiche Reformen in Betreff des VorrufcnS zur Thora re. eingesiihrt; beide wollen statt der Derascha im pilpulistischen Geiste eine erbauende Rede hören; — nnd doch hemmen Quisauilien die dauernde Vereinigung. Wie bcdentend könnnte diese Partei, die über so manche Kräfte zu gebieten bat, nach Innen und nach Außen sein, wenn sie einig wäre! — Nnwillkürlich denke ich an das bekannte Witzwort: Israel ist גוי אד־וד ein einiges Volk בארץ in der Erde; auf der Erde da ist so häufig unter ihm Zwiespalt. - Sie tonnte um so bester sich entfalten, da ihr die Hauptgemeinde hülfreich zur Seite stehet, und ihre Interessen fördern wird, insolange sic sich keine Nebergriffe zu Schulden kommen läßt. Als Auswuchs dieser Partei ist eine Fraktion zu nennen, die das Iudenthum nach ihrem Sinne unimodcln und alles das, was in neuer Zeit geschehen ist, ansstreicheu möchte. Glauben Sie aber ja nicht, daß Führer und Leiter selbst in der Weise leben, wie man früher jüdisch gelebt hat. Doch lassen wir das. Es ist ein Scheinleben, das in sich zusammensällt. Hier haben Sie beiläufig die Situation, unter der sich ein neuer Tempel aus der Erde hebt; ein Tempel, der als Baudenkmal der Zeit gelten soll, dessen Mauern bereits hoch ausstreben. Und der Mann, dessen Geist den Tempel füllen soll, wird eben gesucht. Wolle Gott man möchte ihn finden, daß er die Gemüthcr einige und binde, den einigen Gott an der Stätte zu verehren aus ganzem ungetheiltem Herzen. Er wird einen weit gecbneteren Weg finden, als zu der Zeit, wo der jetzt bestehende Tempel erbaut wurde. Damals war Alles nur eitel Stück- und Flickwerk, und ״man mußte Wasser ballen in der Faust".

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