Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 2 · p. Seite 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 2
Article
Briefe aus Wien
Date
1856-01-01
Page
Seite 51 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829192-2829195-2854180--02714-2854215
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

'-Briefe aus Wien. 51 Icrisch gehalten. Es ist das eine Schattenseite von einer außerordentlichen Lichtseite. Der Ober-Kantor Herr Lulzer ist i» seine», Facle eine wahrhafte Erscheinung, wie sie zum zweitenmale nicht angetroffen werden dürfte. Ein E Hasan von der eminentesten Befähigung und ein Künstler auch im musikalischen Gebiete, der seines Gleiche» sucht. — Wen» ich nun die Wünsche des großen TbeileS der Wiener Israeliten zusammenfassen will, so find sie: ES möchte vor "Ment dem Publikum dadurch eine größere Theilnahmc gestattet sein, indem die Gebete mehr responSweise vorgetragen würde». Ferner, um dem Verständnisse Ne ehnung zu tragen, soll dem deutschen Elemente, das bereits vertreten ist hstatt בריך שמיה und den טי שנרך werden deutsche Gebete gebalte»), ein größeres Gebiet gestattet sei». Vielleicht dürsten auch, um die Weibe zu beben und den Gesang des Publikums zuregeln, die Gesänge mit Orgelbegleitnng vorgetragc» werden, wie dieses in Prag an den Vorabeuden der Feste, und in Pesth an de» Festen und Sabbaten selbst geschieht. (Die Orgel seheint nach den bisherigen Erfahrungen dem jüd. Gefühle zur Hebung der Andacht nicht zuznsagen. D. Red.) Ob diese Mittel dazu beitragen werde», den Besuch dcS Gottes- Hauses zu bebe», will »,an um so weniger bezweifeln, nachdem, wie »jcht abzulengne» ist, ein großer Fonds religiösen Gefühles hier vor- Händen ist. Fch wüste zu diesen Wünschen nichts binzuzufüge», was von dieser Partei erhofft und erstrebt wird. Es will Niemand den Sabbat abrogircn, es wünscht Keiner das hebräische Element verdrängt, vielmehr soll dieses »ach wie vor das vorwattende sein. Mau will überhaupt nichts an dem Kern und inner» Wesen verändern. Wornach man strebt, ist: mebr Verständlichkeit, mehr Tbc il nähme der anwesenden Gemeinde beim Gottesdienste. Dieser Partei, vertrete» durch die Haupt- und Stammgemeinde und daher ansehnlich »nd bedeutend durch die Männer die sie vertrete», siebet eine zweite entgegen, die der Kopfzahl nach zahlreicher sei» dürfte. Wenn ich sage entgegen, so will ich das nicht im feindlichen Sinne verstanden wissen. Es haben sich hier Gottlob die Verhältnisse noch nicht in solcher Weise zugespitzt, daß feindliche Parteien entstanden wären. Hier gilt der Grundsatz, daß jeder nach seiner Weise selig werden könne. Eben so wenig als die Hauptgemeinde daran denkt, Jemanden zu zwinge» sich zu den! bis jetzt bestehenden Gottesdienste an« zuschließen, und de» sonstigen Formen des Kultus, wie er seit 1820 bei Geburten, Trauungen, Leichenfeiern re. besteht, sieb zu fügen; eben so wenig können oder wollen die Nebenparteien (die sämmtlich unter Einem Vorstände stehen) die Hauptgemeinde verhindern ihren Weg zu gehe».

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.