Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 4)
- Language
- German
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50 Briese ans Wien. wird, daß man zu der Nation gehört, dessen Stammvater Israel, Gotteskämpfer, hiest; man wird nicht mehr blaß, weil man den Namen Inda, den Gepriesenen unter seinen Brüdern, trägt. Der Indifferentismus mit den schlaferigen, verschlafenen Augen und matten Gliedern wird wack gerüttelt. Bei dem Allen würde man in den meisten Wiener Hausern (die ursprünglich Wiener sind, von den andern wird später die Rede sein) vergebens nach einem Zeichen und Angedenken suchen, das an das Iudenthuul erinnert. Der Name des allmächtig waltenden Weltengottes ist nicht an den Tbürpsosten $1t lesen, und sein Bundeszeichen, der Sabbat, ist faimt an Speise und Trank dieses Tages zu erkennen. (ytf ist das kein ausgesprochenes Prineip, kein gegenseitiges Übereinkommen. Das Leben bat niveülrt und כיון שעבר אדכ עבירה ושגה בה נעשה לו כהיתר. stebet Niemandem die Macht zu. in die Häuser zu dringen, und wenn sie auch zustande, סן ist es vom Geiste des Indentbnms fern, eine solche Inquisition zu üben. Das religiöse Leben bestehet daber blos in! Tempel, und in den Abschnitten ans der Bibel im Urtexte in der Religionsiebre, die die minder als Neligionsunterricht geniesten müssen, worauf wir später zurüct't'ommen werden. Aber selbst vor den! Gottesbanse stebet das Leben mit dem slammenden Schwerte und bindert den (Eintritt. An Wochentagen ist dev Gottesdienst nur sebr!reuig besucht. Die Zeit, in der er des Morgens und des Abends im Winter und in! Sommer gebalten wird, eollidirt zu!n Tbeil mit den örtliche!» Verhältnissen, zum Tbeil mit der Lebensweise, mit den Geschäjtsstuuden u. s. w. - Endlich ist er auch nicht genügend erbauend. Aber aueb an Sabbaten tritt das Leben bemmend in den Weg. Der Tempel ist wobt gefüllt, aber nur wenige treue Anbänger unter den Wienern finden sich ein. Abgeseben von den n!annigsachen Ursachen, die da mitwirten, must ich auch auf einen Punkt Hinweisen. ~ Jeder, der den hiesige»׳ Tempel besucht, wird das Zeugnist ablegen, dast der Gottesdienst in wahrhaft weihevoller würdiger Weise abgebalten wird. Wir dürfen nur der Reden unser- Mannheimer gedenken, seiner den Tiefen des religiösen Gcmütbes entquellenden und von lebendigem eifervollem Geiste getragenen hinreißenden Worte erwähneu; wir dürfen ferner nur erinnern an den großen Vorbeter Sulzer. Und dennoch leidet der Tempel an Mängeln. Einem großen Theile, insbesondere den Frauen, ist er mit Ausnahme der Predigt gänzlich unverständlich. Demjenigen Theile aber, der das Verständniß, wenn auch nur. parthienweife hat, wirkt der Gottesdienst darum weniger anregend, weil das Publikum zum Stillschweigen verurtbeilt ist. Mit Ausnahme von wenigen Melodien, sind die Gesänge zu hoch, zu kunst-