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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 2 · p. Seite 41

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 2
Article
Eine Proselyten-Familie aus dem vorigen Jahrhundert
Date
1856-01-01
Page
Seite 41 (sequence 5)
Language
German
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aus dem vorigen Jahrhundert. 41 Phantasiegebilde cntgegcnstcllen, immer siegte das Gefühl, die Empfindung, sie blieb an jenem Punkt zauberhaft gefesselt, an dem Sterbelager seiner Mutter! Was aber im wachen Zustande stets zerrann, ewig kam und ewig floh und nur mit Dammerschein auf Augenblicke der Seele sich darstcllte, consolidirte sich einst im Zustand des Schlafes zu einem volle» Traumbilde. Grahnbohm stand am Krankenlager seiner Mutter, er hielt ihre Hand in der seinigen, vernahm ihre ernste Frage, ob er ihre Bitte erfüllen werde? Er wiederholte laut das einst gegebene: ״Ja!" und erwachte. Das Traumbild war verschwunden, die Wirkung blieb znrück. Er las nun täglich in den Schriften des A. T., besonders in den Büchern MosiS, worin er auch durch den spater erlangten und mit den Jahren sich vergrößernden Familienkreis sich nicht hindern ließ. Er hatte sich im Jahre 1723 mit einem um fünf Jahre jünger» Mädchen ans einer der angesehensten Familien des Landes verheirathet. Die Ehe war eine glückliche und mit fünf Söhnen und drei Töchtern gesegnet. Die Söhne wurden zu verschiedenen Berufen bestimmt, der älteste widmete sich dem militärischen, der zweite dem ärztlichen und der dritte dem kaufmännischen Stande; die älteren Töchter waren in weiblicher Handarbeit geschickt, die jüngern Kinder besuchten noch die Schule. In diesein glücklichen und gebildeten Familienkreise waltete, was der leichten Beobachtung nicht entgehen konnte, eine eigenthümliche religiöse Lebensweise, sie war keine völlig jüdische und doch nichts weniger als eine christliche. Die Familie feierte im Hause den Sabbat, Fleischspeisen wurden nur von den den Israeliten zum Genuß gestatteten Thieren genossen, die Kinder führte» Namen wie Jsaac, Daniel, Mctatiah, Sara, Lea und ähnliche, wie sie ursprünglich dem A. T. angehören; dabei war das Lesen der h. S. zum stehenden Gebrauche in dem Grahnbohm'schcn Hanse geworden, während die Familie den Kirchenbcsnch im Allgcmciucu verabsäumte und nur selten, um die öffentliche Aufmerksamkeit nicht zu erregen, an dem christlichen Gottesdienste Theil nahm. ES konnte jedoch diese dualistische Lebensweise, obwohl viele Jahre hindurch cvnscgnent befolgt, nicht für immer unangefochten bleiben. Die Geistlichkeit suchte erst geheim auf Grahubohln zu wirken, und da sie vergeblich, sich abmühte ihn andern Sinnes zu machen, agitirte sie öffentlich gegen ihn. Eine Sinnesänderung der Bewohner Linköping's gegen die Grahnbohm'sche Familie war hervorznbringen nicht schwer. Die Zügel der Regierung wurden nach dem Tode

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