Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine Proselyten-Familie aus dem vorigen Jahrhundert
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
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1U1Ö dem vorigen Iabrbnnbert. 38. vielleicht kaum eine Kenntniß von der Nation jüdischer Abstammuug besaß? Diese Mutter nun, deren iuuere Welt aus Mangel sicherer Knude uns wohl ewig ein Geheimnis; bleiben wird, lies; daü fünfjährige Kind an ibr Sterbebett kommen, und redete es, mit ihm allein sich beftndend, also an: ״Du bist, thcurcS Kind, noch zu jung, um. den Grund meines Wunsches zu versieben, aber ein gutes Kind verspricht der Mutter gern die Erfüllung ibres Wunsches, und dieser ist, daß du, wenn du größer und verständiger sein wirst, recht fleißig in der heiligen Sehnst liesest: ich meine nicht denjenigen Theil der h. S., den man das Evangelium oder das neue Testament nennt, sondern das alte Testament, besonders denjenigen Theil, der die fünf Bücher Mosiö enthalt. Lies täglich und andächtig in diesen Büchern, und deine Mutter wird im Himmel sich hierüber freuen. Bersprichst du dieses zu thun?" Weinend bejahte das Kind diese Frage. Noch rnbte Hand in Hand, ein Freudenstrahl erglänzte das schon haibgebrochene Auge der Sterbenden, noch einmal schaucte sie mit aller Innigkeit, aller Seligkeit, deren nur eine Mutter fähig ist, auf das weinende Kind, da erstarrte die Hand, schloß sich das Äuge, im Herzen ertönte der letzte Schlag, mit einem Gedanken des Segens ging die Mutter in ein anderes Leben ein. Grahnbohm blieb eitern«, geschwister-, freunde- und freudenlos zurück. — ■ Da war cS Stein« bock, der sich in edelmnthigstcr Weise des verwaisten Kindes an« nahm; der Adoptivsohn gewöhnte sich in jenem den eigenen Vater zu sehe», der Familienname kam selten, oder gar nicht über seine Lippen, und eü erschreckte ihn daher wie DonuerSstimme, als ihn eines Tages ein Mitschüler bei diesem Namen anrief; der Knabe hatte bereits zu denken begonnen, und der Gedanke seiner erkannten Verlassenheit, geweckt durch jenen thcnrcn und doch schmerzlich.cn Namen, verwundete grausam das Herz, die Seele des alleinstehenden Kindes. Es bedurfte aller Gemüthlichkeit und lieber« redungskrast des edlen Stciubock, den schmerzlich erregten Knaben zu beruhigen. Er wechselte die Schule mit einer andern; Grahnbohm machte die rühmlichsten Fortschritte und mit dem 14. Jahre bezog er eine höhere Lehranstalt -es Landes, wo seine geistige Ausbildung eine bestimmte Richtung nahm, er sollte nach der Bestimmung des Pflegevaters für den Civildieust des Staates vorbereitet werden. Ungestört gingen nun mehrere Jahre hin; die Wissenschaft war der ungetrübte Quell reicher Freuden, und der Ruhm des Vaterlandes, dem der damals erst 16 Jahre alte 4*