Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine Proselyten-Familie aus dem vorigen Jahrhundert
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
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38 (־י ine Prosclyten - Familie Morgens oiC'tafit: Zwielicht, Dunkelheit werden die Wiege für die ersten Stunden des Tages. Auch unserm jungen Helden erblaßte schnell die Morgeuröthe des Glückes. Der alte bewährte Freund des Moskowiters, der Winter, bereitete selbst dem nordischen abgebarteten Heere bei Pnllawa eine traurige Grabstätte, Karl floh nach der Türkei und die Hauptstadt Schwedens sah niemals mehr ihren König nnd Liebling in ihren Mauern. Dagegen herrschte in Abwesenheit des Königs eine Regentschaft in Stockholm, an deren Spitze der ebenso tapfere als geistreiche General Graf von St ein bock stand. Er schützte das Lntherthmn mit kräftiger Hand nach innen, und trat kühn den nencrmuthigten Feinden an den Grenzen des Reiches entgegen. Steinbocks umsichtige Leitung konnte den Verfall des Vaterlandes zwar nicht für immer vcrhindern, doch ans Jahre hinaus verschiebe». — Unter den Angen dieses Mannes wuchs derjenige zum Jünglinge Hera», den wir bald als Staminvatcr eines aus dem Gebiete des Religions- Wechsels merkwürdigen Familicnzwciges kennen lernen werden. Abraham von Grahnbohm —- wir nennen ihn bei seinem später» Namen, da nns feilt früherer Vorname unbekannt ist war 5 Jahre alt, als er als Adoptivsohn in das Hans des Generals Stcinbock kam. Im Jahre 1680 in einer Provinzialstadt geboren, blieb er nach dem Verlust des Baterö, der seinen Sohn nicht zri sehen erlebte, die einzige Freude seiner kränklichen Mutter. Diese, eine Verwandte von Steinbock, zog nach Stockholm, fühlte jedoch das nahende Ende ihres Lebens, nnd über der bald doppelten Waise den eigenen Kummer vergessend, dachte sie nur mit Schrecken an die Zukunft ihres einzigen Sohnes und Kindes. Nicht die materielle Lage ihres Lieblings erfüllte sic mit Besorgnis;, denn eine nicht ganz unbedeutende Erbschaft von väterlicher Seile durste seine äußere Stellung zn sichern wohl genügen; allein die geistige Zukunft des Kindes war cs, welche das Mntterherz erschwcrte. In diesem Franenhcrzcn waltete unsichtbar eine Macht, von welcher Niemand ihrer Umgebung eine Ahnung hatte; vielleicht hatte sie selbst nichts mehr als eine solche von dein, was mit unwiderstehlicher Gewalt sie beherrschte; denn können wir wohl ein bestimmtes Bewußtsein, eine klare Idee, einen vollendeten Gedanken in diesen! Herzen vermuthen, welches für die höheren Wahrheiten des JndcnthnmS zu empsinden schien, ohne daß damalS noch je ein Jude den schwedischen Boden betreten hatte, ohne daß sie, wenn nicht aus den uralten Quellen der Bibel,