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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 12 · p. Seite 459

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 12
Article
Versuch einer Erläuterung mehrerer dunkeln Stellen im Buche Daniel, mit besonderer Beziehung auf das 11. Kapitel
Date
1855-01-01
Page
Seite 459 (sequence 6)
Language
German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 459 Parallele finden, wenn man zu der Angabe der dessen Quellens die genauere Nachweisung der Bibel auf der einen Seite, und die Berichtigung des Syncellus auf der anderen in Anschlag bringt. Demgemäß fällt der Regierungsantritt des Nebonides in das dritte Jahr des Cyrus, wo Daniel in Folge seiner früheren Vision schon den letzten Herrscher aus der chaldäischen Dynastie in ihm erkennen mußte. ׳ Nur das eilfte. Kapitel mit seinem Rückfall ans den schon früher abgefertigten medischen Darius scheint die Ordnung umzustürzen, da bereits eine Vision unter dem später» Cyrus vorgekommen ist. Da jedoch in diesem Kapitel das Auffallende seines verspäteten Vorkommens gegen das Historischwidrige seines Inhaltes, wenn sämmtliche persische Könige von Cyrus bis einschließlich Darius Codomanus aus vier zusammengeschrumpst sein sollen, das geringere Moment abgibt, so führen beide Umstände dahin, über das Ganze ein neues Verständniß zu suchen. ■׳׳.:■- Es ist längst von den namhaftesten Auslegern erkannt, daß die Eröffnung dieses Kapitels nicht die Worte Daniels enthalten kann. Aber auch ihre Auffassung als Fortsetzung der bis zum Schluß des zehnten Kapitels gehenden Mittheilung kann nicht als stichhältig gelte», da ihr mit diesem Rücksprung von der Hinweisung auf die Begegnisse der Zukunft zu einem beziehungslosen Moment der Vergangenheit, aller Sinn und Zusammenhang abgehen würde. Wie sehr aber die Identität des medischen Darius vom sechsten Kapitel mit dem des neunten zu erkennen ist, so sehr stellt sich dieser medische Darius des eilften Kapitels als eine andere und spätere Person heraus. Denn außer der Bestimmung, daß er nur vier Nachfolger auf dem persischen Throne 2) Berosus und Canon des Ptolemäus geben übereinstimmend dem Nebuchadnezar -43, dem Ewilmerodach 2, dem Neriglissac 4, dem Labosardach 1 und dem Nebonides 17 Regierungsjahre, womit auch Alexander Polyhistor insofern übereinstimmt, als die 12 Jahre, welche bei ihm statt der 2 des Ewilmerodach Vorkommen, sich auch anderweitig als Schreibefehler ergeben. Die 3 Jahre, welche nach diesen Angaben von den vollen 70 abgehen, werden completirt thcils durch die Berichtigung des Syncellus, welcher aus. (chronologisch-) astronomischen Gründen den Ewilmerodach mit 3 Regierungsjahren, und den Reriglissar mit 5 anzusetzen weiß, theils durch den bestimmten Nachweis -der Bibel, gemäß welcher Nebuchadnezar 44 Jahre regiert haben muß (2. Könige 25, 27). Seder Olam und nach ihm der Talmud (Megillat 11b) sprechen zwar gar von 45 Regierungsjahren des.Nebuchadnezar, .und müssen . auch dabei zur Annahme gewisser Bruchjahre (מקטעזת vnv) ihre Zuflucht nehmen. Doch ist klar, daß sie aus Ermangelung anderweitiger Quellen, die Profangeschichte lediglich aus den abgerissenen Angaben der Bibel haben bilden müssen.

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