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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 12 · p. Seite 458

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 12
Article
Versuch einer Erläuterung mehrerer dunkeln Stellen im Buche Daniel, mit besonderer Beziehung auf das 11. Kapitel
Date
1855-01-01
Page
Seite 458 (sequence 5)
Language
German
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458 Wissenschaftliche Aufsätze. Wenn inan jedoch neben Eichhorns Beleg auch die äußeren Gründe der ׳in der ersten Abtheilung vorkommenden Ausdrücke und Sprach- Wendungen eine spätere Periode, die die Verschiedenheit des Inhalts, in Anschlag bringt, so ergibt sich das Ganze dennoch als die planmäßige Anordnung einer Hand. Die erste Abtheilung ist die Abtheilung der Legenden und Sagen, und enthält die Begebenheiten, bei welchen die Person Daniels und seiner Genossen sactisch betheiligt oder eingezogen war, und welche für sie selbst so entscheidend waren, daß sie durch Glaubensmuth vor den Augen der Mitwelt immer glorreicher im Leben hervorgegängen sind. Die zweite Abtheilung hingegen enthält nur die Visionen über die Zukunft des Volkes Israel unter den späteren Weltereignissen, welche aus die gegenwärtige Angelegenheit des Daniel und seiner Genossen außer allem Einfluß standen.' v Beide Verschiedenheiten stehen im innigsten Einklang. Die Bisioncn wurden, nach der auch anderweitig ersichtlichen Gewissenhaftigkeit der biblischen Sammler, mit buchstäblicher Treue aus den überkommenen Originalurkunden zusammengestellt. Legenden und Sagen über historisch namhafte Personen hingegen können ihrer Natur nach erst dann Wurzel fassen, wenn nur ihr Andenken noch im Volke lebt, auf ihrer Person aber schon der Nimbus der Verklärtheit ruht. Daher auch hier die Ausdrücke und Sprachwendungen einer späteren Zeit als Gewährschast der inneren Wahrheit gelten müssen. . Die Anordnung der einzelnen Kapitel zeigt sich in beiden Abtheilungen übereinstimmend und folgerecht. Hier wie dort wird von der Zeit des' Nebüchadnezar zu der seines unmittelbaren Nachfolgers Ewilmerodach der kleb ergänz genommen, von diesem ans die letzte Zeit des Astyages, um welche er ihn nach der Abreißung der östlichen Provinzen überlebt hat, und vom Astyages auf die. Zeit des Ctzrus. Von den anderen Regenten Babels war nichts vorzubringen, weil Daniel zu ihnen in keiner Beziehung stand, und auch seine ferneren Visionen nicht unter ihrer Herrschaft erlangt hat. Doch mag nur insofern der Hinblick auf die chaldäische Dynastie gestattet sein, als die letzte Vision Daniels ans dem dritten Jahre des Cyrus (in Medo-Persien) vorkommt׳, indem wir anderweitig genügend nachgewiesen zu haben glauben, daß die Berichtigung, welche dem Daniel gegen seine falsche Berechnung der 70 Exiljahre durch die Vision geworden ist, ihn aus die Erkenntniß geführt hat, daß ihr Anfang von dem Transport unter׳ Jehojakim zu nehmen ist — ferner, daß die 70 Exiljahre in der Regierungszeit der chaldäischen Dynastie, vom ersten Jahre des Nebüchadnezar bis zum Falle desNebonides, die genaue

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