Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Religionsgespräche
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 449 (sequence 3)
- Language
- German
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Zur Geschichte der j üdischen Religionsgespräche. 449 Quellen nicht. Doch erhalten wir mitunter Zauber- und Bekeh'rungsspektakel als neuen Zusatz. Was die Zauberwunder besagen, urtheilt seder Leser leicht; und welche Bedeutung die mit ihrem oder ohne ihr Hinzuthun durch Religionsgespräche bewirkten Bekehrungen haben, wird ebenfalls der Leser nicht unschwer begreifen: durch Gewaltsamkeiten herbeigeführter Uebertritt. Bon diesen Bekehrungen wird erst seit der Erhebung des Christenthums zur Staatsreligion durch Constantin berichtet; die erste Bekehrung en masse ereignete sich nach den kirchengeschichtlichen Nachrichten unter den Ausspieien dieses Kaisers. Der römische Bischof Sylvester hatte ein langes Religionsgesprach mit den Juden zu Rom; die von ihm angeführten Bibelstellen wollten sie nicht überzeugen. Doch was der Verstand der Weifen nicht vermochte, war von höherer Hand — einem Stier zugedacht, der endlich die Juden zur Raison gebracht. Der Reden lange Reihe wurden durch den Judenzaubermeister Zambre (dieser Name des — Numeri 22 — berüchtigten Medisanitinnenjägers erregt zwar einige Verwunderung, doch wer darf zweifeln wo weit Größeres spricht?) mit dem Vorschlag abgeschnitteu, die Wahrhaftigkeit des einen oder des andern Glarrbens durch Wunder zu erproben. Ein Stier Wurde nun herbeigeführt, Zambre sagte ihm einige Worte ins Ohr und er stürzte tobt nieder. Eine todesähnliche Erstarrung ergriff die christliche Menge; da rief Sylvester dem entseelten Stier einige Worte zu und er stand lebendig auf. Neues Leben ergoß sich über die anwesenden Christen, und auch die Juden konnten solchem Zeugnisse nicht widerstehen und traten sämmtlich zum Christenthum über ff. Es genügt, wenn an der Erzählung irgend Wahres ist, zu bemerken, daß Constantin den Vorsitz führte. Brachen zwar erst unter seinem Nachfolger Constans eigentliche Judenverfolgungen aus, so sind die von ihm gegen die Juden erlassenen Gesetze sprechende Beweise seiner seit seinem Uebertritt zur Schau getragenen Gesinnungen: und daß er vor einer gewaltsamen That nicht zurückschreckte, sagt sein ganzer Lebensgang nur zu deutlich ff. --Daß dieser Modeartikel 1) Cedrenus. T. j. p. 478. (Bonner Ausgabe.) — 2) Wir machen bei dieser Gelegenheit auf eine Stelle bei Cedrenus, das. S. f>07, aufmerksam, in welcher Philo als ein dem Christmthum nahestehender und die Dreieinigkeit in der Schrift erkennender Interpret, aus einigen Stellen de Oderudiin und sonst bezeichnet wird.