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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 11 · p. Seite 432

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 11
Article
[Rezension]
Date
1855-01-01
Page
Seite 432 (sequence 2)
Language
German
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432 Reccnsionen und Anzeigen. ab, so kann man mit dem in diesen Hefte Gebotenen zufrieden sein, es enthält viel Neues und Gelungenes, wie es vom Verfasser, der von dem Geiste der hebräischen Sprache ganz erfüllt ist, in ihr lebt und webt und das Hebräische wie nur Wenige mit seltner Reinheit und Classicität handhabt, zu erwarten war. Der leichte ungezwungene Styl des Vers, macht auch den Commentar zu einer angenehmen Lcctüre. In der Einleitung gibt Vers, zehn Grundsätze an, nach denen er bei dem Erklären des königlichen Propheten zu Werke gegangen, und will sie fast zu exegetischen Axiomen erheben. Indessen, so beherzigenswerth auch einige derselben sind, so werden die meisten derselben nicht von Jedermann zugegeben werden. Wer wird Vers, nicht einräumen, daß eine gesunde Exegese von den Grundsätzen geleitet sein müsse, iy den heiligen Schriftdenkmälern nur den in ihnen liegenden Sinn zu suchen, ohne Rücksicht aus anderweitig angenommene philosophische oder dogmatische üebcrzeugungen? Wer׳ hielte es nicht für erforderlich, daß der Exeget sich aus der Anschauungsweise seiner Zeit in die der Schriftsteller versetzen müsse, daß er in den ganzen Literaturkreis eingelesen und eingeweiht sein soll, um die oft räthselhasten Wendungen und Figuren im Geiste des Idioms und der Situation aufzufassen, daß er endlich mit poetischem Sinne begabt sein müsse, um die schwungvolle Ausdrucksweise der Propheten zu empfinden? Dieses Alles versteht sich so sehr von selbst, daß wer dagegen fehlte eben ein schlechter Exeget wäre. Allein die übrigen Grundsätze des Vers, werden um so weniger als exegetische Principien anerkannt werden, als sie, namentlich die drei ersten, mit dem vierten im Widerspruche stehen. Der alttestamentliche Exeget soll nach dem Verfasser von vorn herein von den Ideen der Schöpfung aus Nichts, der Vorsehung, der strafenden und belohnenden Gerechtigkeit Gottes und der Wahrhaftigkeit der Wunder Überzeugt sein, sonst bliebe ihm die heilige Literatur ein verschlossenes Buch. Aber wie ist dieses mit jenem Grundsätze zusammen zu reimen, daß die Exegese nicht die Dogmatik heranbringen müsse: ולא תהיה בחדרי לבבנו תשוקה למצא בספרי הקדש סיוע וחזוק לאמונות וסברות שבאו לגו ממקום אחר בין שיהיו סברות פילוסופיות או אמונות תורניות מתקבלות באומה. Können wir den wahren Sinn der Schriftsteller aussassen: להבין אמתת בונת הכותבים — wenn wir jenen Gedankenkreis durchaus in ihnen finden sollen, selbst wenn er nicht in ihnen läge? und findet er sich wirklich darin, wozu ihn.voraussetzungsvoll mit hinzubringen? — Auch der zehnte Grundsatz dürste nicht auf allgemeinen Beifall rechnen. Vers, behauptet: der heilige Text sei zwar durchaus frei von absichtlichen Fälschungen — wer, außer einigen unwissenden Kirchenvätern,

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