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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 11 · p. Seite 427

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 11
Article
Verschiedene Theorien über das Wesen der Seele bei einigen arabisch-jüdischen Religionsphilosophen
Date
1855-01-01
Page
Seite 427 (sequence 12)
Language
German
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Wissenschaftliche Aussätze. 427 die Form sich verbindet, und dieselbe derart in ein bestimmtes Sein ausprägt. Nicht so der Verstand. — Hier muß der Mensch durch sein eignes Streben, seine bewußtvolle Thätigkeit, durch seine intellektuelle Anschauung die Influenz des ״wirkenden Verstandes" auf sich herablenken, um durch dessen Einwirken die hylische Anlage in eine^ unsterbliche Substanz zu verwandeln. Zu diesem Werke sind daher gleichsam drei Factoren nöthig. 1) Die der Seele inwohnende Verstandes-Anlage (2;(המשכיל) Die von dem Nus poietikos ausgehende Influenz, der Verstand in al)8t1׳ueto (השכל); und endlich 3) die in den Verstand auszunehmenden Erkenntnißobjecte (המושכל). Der Entwickelung dieses Gedankens ist der 68. Abschnitt im ersten Theile des More gewidmet. Maimuni zeigt dort, daß die drei Factoren der Denkthätigkeit, nämlich die Vernunft, das vernünftig Wahrnehmende, und das vernünftig Wahrgenommene, alle zusammen identisch sind (השכל והמשכיל והמושכל.'אחד). Das will nach Scheyer's lichtvoller Darstellung sagen, daß jede Erkenntniß, die die menschliche Seele in sich aufnimmt, nicht etwas Aeußeres, Objectives für sie bleibt; sondern sie identificirt sich mit ihrer innersten Wesenheit, so daß die erlangten׳ Kenntnisse das wahre, eigentliche Ich des Menschen ausmachen 8). Und dieser durch die erlangten intellectuellen Erkenntnisse entstandene שכל הנקנה‘ verhält sich zur menschlichen Seele, wie sich die Seele zum Körper verhält: Die Seele ist die Form des Körpers, und dieser lntelleedu.8 u^uisitu8 ist wiederum die Form der Seele. Dieser letztere Begriff 8) Daß diese Identität der drei Factoren auch beim Menschen stattfindet, ist bei den arabischen Philosophen, und vorzüglich bei Maimuni, originell. Aristoteles schreibt diese Identität fvovs, vot^tov) nur Gott allein zu. Maimuni macht folgenden Unterschied: Im Menschen, dessen Vernunft anfänglich nur eine Anlage ist, entwickelt sich diese Identität nur allmälig, während hingegen bei Gott, der stets eine Vernunft in Wirklichkeit ist, diese Identität eine ursprüngliche ist. — Durch diesen Gedanken angeregt, erlauben wir uns eine Bemerkung, die vielleicht einiges Licht über eine dunkle Stelle im Buche Jezira verbreiten dürfte. Dort (I, 1) nämlich wird ebenfalls von der Identität dreier Factoren in Gott gesprochen (בדא את עולמו בשלשה ספרים). — Wenn wir nun dort folgende Lesung annehmen wollten: ספר die Zahl (2. Chr. 2,16), ס1פד das Zählende, und כפור das Gezählte, so hätten wir die vollkommenste Analogie mit dem aristotelischen השכל המשכיל והמושכל. So wie im Aristotelismus Gott die persönliche Einheit des Denkens, des Denkenden und des Gedachten, ebenso nach der Anschauungsweise des Sefer Jezira, wo zählen und denken ganz analog sind, ist Gott die Identität des Zählens, des Zählenden und des Gezählten; —- und wir können auch nach unserer Auffassung uns der Worte׳ des Kusari (IV,.25) bedienen: הגה שב הספר והס1פר והםפו־ר בהק האל דבר אחד ובהק האדם שלשה. —

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