Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Verschiedene Theorien über das Wesen der Seele bei einigen arabisch-jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 426 (sequence 11)
- Language
- German
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426 Wissenschaftliche Aussätze. sowohl die körperliche Anlage, als auch die positive, stofflose, unsterbliche Vernunft (I. c. Tom. I, cap. 41 & 70. in, 22). Es findet demzufolge in der Seele derselbe Unterschiedwie in allen vorhandenen Dingen statt. Denn wie wir bereits-früher auscinandergesetzt, wird in allen existirenden Dingen unterschieden zwischen dem Stoffe, der blos der Möglichkeit nach ein bestimmtes Etwas ist, und zwischen der Form, durch welche das, was blos der Möglichkeit nach ist, in die Wirklichkeit tritt, (ioxi Ss p.ev 0X7] 51ivajj.11;, ׳co 5s s(50; evTsXs'xsi.a de anima II, 1). Dieselbe Distinction wenden wir nun auch aus die Seele an. Der שכל היולאני nämlich ist gleichsam die Materie, das blos der Möglichkeit nach Seiende, zu dem dann der שכל נקנה als Form hinzukommt, durch die der potentielle Verstand (שכל בפח) ein Verstand der Wirklichkeit nach wird (שכל בפועל). Nun aber ist es eine von den Prämissen der alten Philosophie: Jeder Uebergang aus der Möglichkeit zur Wirklichkeit, oder mit andern Worten, jedes Hinzutreten von der Form zur Materie, kann nur durch eine von Außen einwirkende Kraft bewerkstelligt werden. (More II, Präm. 18 (כל מה שיצא מן הכה אל הפועל מוציאו זולתו, והוא חוץ ממנו בהכרח... Der Uebergäng des Verstandes aus der bloßen Möglichkeit in die Wirklichkeit, dies ist die Entwickelung des שכל היולאני׳ zum שכל נקנה, setzt daher ebenfalls solch eine äußere Einwirkung und Influenz (שפע arab. פיץ) voraus.— Und diese äußere, auf alle existirende Dinge — und ebenso auf die Seele — influirende Einwirkung, die darin besteht, dasjenige, was blos der Möglichkeit nach ist, in die Wirklichkeit zu setzen, d. h. mit andern Worten der Materie die Form zuzugesellen, geht von einem stofslosen Geiste, dem letzten der zehn שכלים נפרדים aus (1. c. II, 4 und 12), der ״der Formengeber" (נותן הצורות, arab. ואהב אלצור) oder ״der wirkende Verstand" (שכל הפועל, arab. אל עקל אל פעאל) genannt wird. (Ueber die Lehre vom שכל הפועל vgl. auch Kusari I, 1. IV, 25. V, 4, 10 und 12. Eniuna rama II, 4. Gersonides Milcham. I, 5. V, 13. Jkk. II, 18. IV, 30. Ruach Chen III. — Nach Kusari I, 87 hatten die Araber den שכל הפועל mit dem Engel Gabriel, der im Koran auch רוח אלקהם genannt wird, identificirt. Maimuni (1. c. II, 6) und ihm folgend auch Jos. Albo (Jkk. II, 11) findet die Idee des שכל הפועל schon bei den Lehrern des Talmud, unter dem dort üblichen Namen שר העולם.) Doch durch die Lehre von dem von; 7co!.vj17exv<; in dem eben besprochenen Sinne wird nicht etwa die freie, bewußtvolle Selbstbestimmung des MenschengeiM aufgehoben. Denn der hylische Verstand ist nicht wie jede andere Materie, mit der, ohne deren Selbsthinzuthun,