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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 11 · p. Seite 425

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 11
Article
Verschiedene Theorien über das Wesen der Seele bei einigen arabisch-jüdischen Religionsphilosophen
Date
1855-01-01
Page
Seite 425 (sequence 10)
Language
German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 425 Nun aber kann eine Form niemals etwas Substantielles (Selbstständiges) sein, sondern ist immer nur in Verbindung mit einem Substrate denkbar, dessen Vollendung (Entelechie) sie ausmacht. Die Seele als Form des Körpers besteht daher nur mit diesem, und fällt auch mit ihm. (Aron den Elia drückt dies so ans: כיון שהנפש צורה לגוף, ולא ימצא חטר בלא צורה כן לא ימצא צורה בלא חמר והגה אם יפסד ההמר תפסד גם היא). Alexander erklärt also die Seele nur für eine dem Körper inhärirende Kraft und Anlage, und leugnet ihre Unsterblichkeit. — Dem entgegen erklärt aber Themistius (im 4. Jahrh.), die Seele für eine von dem Körper unabhängige und ewige Substanz, die weder entsteht noch vergeht (עצם נבדל בלתי הווה ונפסד). Maimuni, der unter den Auslegern des Stagiriten immer dem Alexander den Vorzug gibt, thut nun hier einen kühnen Schritt, indem er ebenso wie dieser behauptet, daß wir unsere Seele keineswegs als eine Substanz, sondern nur als eine Hhlische Vernunft, als eine körperliche Kraft oder Anlage zu betrachten haben, כח הכנה בלבד. (Vergl. More I, Abschn. 32, 68, 70, 72. II, Prämisse 10 und 11. III, 12 u. a. O.) Und zwar so kühn war dieser Schritt, daß Manasse ben Israel (נשמח חיים II, 2) gegen Akeda, der (Pforte 6, S. 49, sä. Preßburg 1849) ebenfalls in den Fußtapfen des Alexander ging, folgender Maßen sich ausspricht: טי יתן שהשער הוה יהיה מגור לא יפתח ואיש אל יבוא בו ויפה אמרו ח״זל לפום גברא שבשתי וכל אדם כוזב. Ist demnach die Seele nur eine mit dem Körper entstehende Anläge, so folgt nothwcndig, daß ihr kein Frühersein (Präexistenz) vor dem Körper zugestanden werden kann (More I, Abschn. 70. II, 27).— Ebensowenig ist an eine Seelenwanderung zu denken, denn nur eine selbstständige Substanz kann in einen andern Körper übergehend gedacht werden. Doch hier entsteht nun die große Frage: Wie ist nach dieser Theorie eine Unsterblichkeit der Seele denkbar, da die Seele als bloße physische Kraft, wie alle sonstigen körperlichen Kräfte, mit ihrem Träger, dem Körper, zugleich dem Tode erliegen müßte? — Um dieser Schwierigkeit zu entgehen, wird folgende Lehre ausgestellt: Die Seele, die ursprünglich nur eine hylische Vernunft (שכל היולאגי) und demnach sterblich ist, verwandelt , sich durch Aneignung von Kenntnissen der Reflexion und intellectuellen Anschauung in eine wirkliche, positive Vernunft, שכל נקנה, intellectus aquisitus genannt. Und diese derart eine Wirklichkeit gewordene Vernunft ist nicht mehr wie die frühere Anlage, ein vom Körper Abhängiges und Untrennbares, sondern sie ist etwas Substan-» zielles, an sich Reales, Stoffloses, und daher Unsterbliches. — Der Ausdruck Seele ist demnach ein Homonym; denn Seele (נפש) bedeutet

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