Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Verschiedene Theorien über das Wesen der Seele bei einigen arabisch-jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 418 (sequence 3)
- Language
- German
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418 Wissenschaftliche Aufsätze. ruch, Geschmack u. dgl. lassen sich mit ihrem Subjekte theilen, was aber bei den Denkformen nicht möglich ist (vgl. auch More HI Präm. 11). Ein in zwei getheilter Körper ist nur ein halber Körper, -aber kein halber Mensch. 2) Wäre die Seele eine körperliche Kraft, dann mlißte sie ganz dieselbe Natur wie die übrigen Körperkräfte haben. Dem ist aber nicht so: Die Sinne nämlich werden durch die Aufnahme überaus starker Eindrücke geschwächt, oder gar ganz zerstört; so das Auge durch einen sehr blendenden Strahl. Die Seele hingegen, die stärkt sich im Gegentheil durch die Ausnahme von sehr hohen und erhabenen Erkenntnissen. (Jkkarim IV, 30 hat denselben Beweis, und zwar wörtlich so formulirt, wie bei Aristoteles 1. c. III, 5. Dagegen findet Maimuni zwischen sinnlicher und geistiger Wahrnehmung die strengste Analogie, More I, 32; und ist dies eine Consequenz seiner im Verlaufe dieser Abhandlung zu entwickelnden Seelentheorie. (Vgl. die richtige Bemerkung Fürstenthals, das. S. 29, Nr. 11.) 3) Greift das Alter nur den Körper an, nicht aber die Seele. Im Gegentheil wachsen und dehnen sich die Schwingen der Psyche da, wo die Schwungkraft des Leibes bereits bedeutend geschwächt ward. Nach dem 50. Jahre nimmt die Seele an Gediegenheit zu, während der Körper abnimmt. — (S. Arist. 1. c. I, 5). Endlich 4) findet noch ein höchst wesentlicher Unterschied zwischen den materiellen Kräften der Wahrnehmung und der wahrnehmenden Seele statt. Denn die Thätigkeit der Sinne ist eine endliche, beschränkte, während die der Seele eine unbegrenzte ist. Die Sinne können nur das Specielle wahrnehmen (wie die Accidenzen, More I, 4), nicht aber das Allgemeine, was immer auf gleiche Weise sich verhält, wie die mathematischen Gesetze, die gleichbleibenden Formbestimmungen, die abstrakten Begriffe; während hingegen die Vernunft die einzelnen Vorstellungen in die Einheit des Begriffes verknüpft, und das Allgemeine daraus ableitet. (Vgl. יסודי'החררה IV, § 7. More I, 73, III, 16) Ist nun demnach die Unkörperlichkeit der Seele erwiesen, so ist es mit Einem auch ihre Unsterblichkeit (עמידת הנפש אחר כלות ־גוף Kusari III, 43), Und zwar ist diese Unsterblichkeit eine persönliche, individuelle, nicht aber ein Ausgehen in den allgemeinen Weltvcrstand (שכל הכללי), wie viele arabische Schulen nach Vorgang des Stagiriten gelehrt^). Sie behaupteten nämlich, die Seele des 3) Es war auch eine von den spitzfindigen Frageil der alten Philosophie: Da bei den aus ihren Körpern scheidenden Seelen weder ein räumlicher noch