Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 11 · p. Seite 403

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 11
Article
Rede am Geburtsfeste Sr. Majestät, des Königs Friedrich Wilhelm IV. 15. October 1855
Date
1855-01-01
Page
Seite 403 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829178-2829190-2854071--02561-2854085
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sr. Majestät des Königs Friedrich Wilhelm IV. 403 sirte Staat nicht zu den Staaten zählen, in denen der Rechtsbegriff transparent, die verschiedenen Rechtssphären wie die verschiedenen Kreise der Gesellschaft in sich ihre Berechtigung haben, einander deU höhern Denkvermögen gemäß durchdringen und in eine das Ganze harmonisch gestaltende Spitze auslaufen. — Lassen Sie uns vorerst das Falsche dieser Grundanschauung hervorheben; wir werden dann durch einige Sätze ihre ferneren Consequenzen zu entkräften suchen.; Der Wille Gottes wird nach dieser Auffassung sehr hoch gestellt; doch weil er so hoch, weil er unerreichbar, darum gehört, wie vorgegeben wird, das von ihm Construirte nicht, in den Bau und das Gefüge der aus der menschlichen Vernunft sich entwickelnden Staatsorganismen. Aber der Begriff ״Wille" wurde hier unvermerkt und weil man das Auge anderswohin richtete, mit ״Willkür" vermengt und hierdurch eine mit den Vernunftresultaten nicht auszugleichende Jucongruenz wahrgenommen. —י•' Wie nämlich hier der Wille Gottes, läßt die Geschichte aus der Zeit alten Tagen den Willen der Götter vernehmen: sie sprachen zum Menschen und er unterwarf sich zitternd ihrem Spruche, vor der Gewalt der Elbordj- oder Olympbewohner mußte sich der Sterbliche beugen, um Schreckliches, das, fügte er sich nicht, der Zorn der Götter über ihn verhängte, von sich abzuwenden. Sie verlangten, forderten, denn sie waren nicht frei von Bedürfnissen und verlangten um ihrerselbst willen: Selbstsucht war bei ihnen die Losung. Denn diese Gebilde des Menschen erhoben sich nicht über seine Vorstellung: er vermochte nur Menschen in erhöhetem Maßstabe, nicht eine Gottheit zu construiren, und so blieb Egoismus der leitende Gedanke seiner Götter. Er unterwirft sich ihrem Willen^ für den er einen vernünftigen Grund nicht aufsinden kann, das Motiv ist Furcht: die Götter haben Macht über den Menschen und vor ihr gehet sein Recht auf. Diese Unterwerfung unter den Willen der Götter erreicht ihren Culminations- Punkt in dem tiefsten Rechtseingriffe, im Menschenopfer; das natürliche Recht des Individuums tritt vor dem in Willkür umwandelten Willen der Götter zurück. Daher stehen sie selbst über dem Rechtskreis: ihre Leidenschaft reißt sie zu dessen Derletzung hin, oder es findet das Unrecht ebenso seine Vertretung im Princip des Bösen, wie das Recht im Princip des Guten seinen Vorkämpfer hat. — Bedarf es erst eines tiefem Ein- 31*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.