Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Verschiedene Theorien über das Wesen der Seele bei einigen arabisch-jüdischen Religionsphilosophen
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 5)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 391 Die erste dieser Theorien negirt die Substanzialität der Seele, und erklärt sie für ein Kloßes Aecidenz (nHv); weil nämlich die Seele nicht selbst wahrgenommen, sondern nur durch Ihre Wirkungen erkannt wird, daher wollte man sie nicht für etwas Gegenständliches erklären, sondern blos für eine dem Körper inhärirende Bestimmung. — Saadja schlägt diese Theorie durch ein kelamistisches Argument auf's Haupt. Doch über den KelLm sei uns hier eine, kurze Bemerkung gestattet. In der Periode, in der gegenwärtige Abhandlung sich bewegt, hatte sich der Strom des arabischen Kulturlebens bereits in zwei divergirende Strombette ergossen; oder besser, die spcculativen Forschungen hatten sich zu zwei verschiedenen Richtungen festgestaltet, die gegenseitig manches sich abborgten, aber auch mehrfach sich gegenseitig bestritten. Die eine Richtung nennen wir die philosophische. Hier bildete der Aristotelismus, durch die Kommentarien des Ammonius, Themistius n. A. verschiedenartig abgeprägt, den Mittelpunkt. Die zweite Richtung heißt die kelamistische (חכמת הדברים, עי!פ א/ כלאם, die Wissenschaft des Wortes), zu der bekannten sich die muhämmedanischen Theologen, die jene Principien der aristotelischen Philosophie, die sich mit ihren religiösen Dogmen nicht versöhnen ließen, hartnäckig bekämpften. Die Anhänger dieser Richtung hießen חכמי שרשי האמונה, abgekürzt שרשיים (und das Fürstenthal More I S. 293 ganz unrichtig durch ״Atomisten" wiedergibt). Häufiger jedoch wurden sie מתכלמון) מרברים, die Redenden) genannt, vielleicht auch darum, weil mit jener Richtung immer Schönrednerei, dichterischer Wortschwung verbunden ward אתה תמצא (בספרי המדברים) דברים רחבים והשונות נאים ויפים■..... אוזנו בשירים ונשקהו jetzt die Arbeit des Herrn Dr. Fürst über den אמונות וד!ןות nicht zu Gesicht gekommen. Nicht wissend also, ob nicht Herr F. bereits diese Parallelen nachgewiesen, wurde ein solcher ■Nachweis hier weggelassen. Saadja hat zwei ׳ Theorien mehr als Aristoteles im Namen seiner Vorgänger angeführt. Und dies kommt unserer Meinung nach daher, weil dies eben die selbsteignen Theorien des Aristoteles sind, darum konnte er dieselben natürlich nicht im Namen seiner Vorgänger anführen. Die eine lautet bei Saadja folgendermaßen: קצתם תשמר. שלימות לגשם מבון׳ — und dies ist die berühmte Definition des Aristoteles, die wir weiter unten bei Jehuda Halevi ausführlicher besprechen werden: &jtiv (perfectio), awp.aT0; (pvai^oü (Lib. II, c. 1). Die andere dieser Theorien wird von Saadja in folgenden Worten gegeben: ,ויש מי שאמר שהיא שני חלקים, חלק האהד שנלי דברי ואיננה נלד, והוא שונן נלב השני הוא חיוני ... והוא נלד,!. Wir erkennen hierin wieder einen Lehrsatz des Stagtriten; dieser unterscheidet bekanntlich in dem menschlichen Geiste zwischen der passiven und zwischen der activen Vernunft, jene ist materiell und mit dem Körper vergänglich, diese ist immateriell und unsterblich. Kal toütq jaövov o&dvatov xa\ eü'fStov ... 6 8e n«3chrtx.ä? voö? qtäapro? (1. c. HI, cap■ 5).